Donnerstag, 14. Januar 2010

Vergiß, vergiß


Vergiß, vergiß und laß uns jetzt nur dies
erleben, wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen; wie der Mond die Gärten
voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wies
spiegelnder wird im Dunkeln; wie ein Schein
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist -

Rainer Maria Rilke

Mittwoch, 13. Januar 2010

Wege...



"...Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt, welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich, und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf, und geh, wohin es dich trägt..."

Susanna Tamaro
„Geh, wohin dein Herz dich trägt“

Dienstag, 12. Januar 2010

Funeral Blues - Übersetzung






Stoppt jede Uhr.
Lasst ab vom Telefon.
Verscheucht den Hund
der bellend Knochen frisst die rohen.
Lasst schweigen die Pianos
und die Trommeln schlagt.
Bringt heraus den Sarg
und ihr Klager klagt.

Lasst die Flieger kreisend
Trauer sei geboten
An den Himmel schreiben.
Er ist tot.
Straßentauben gebt um den Hals starre Kreppkragen.
Polizisten lasst schwarze Handschuh tragen.

Er war mir Nord.
mir Süd.
mir Ost.
und West.
des Sonntags Ruh.
und der Woche Stress.

Mein Tag.
mein Gesang.
meine Rede.
meine Nacht.
Ich dachte
Liebe wäret ewig.
Falsch gedacht.

Sterne sind jetzt unerwünscht.
Will nichts sehen davon.
Verpackt den Mond.
Zertrümmert die Sonne.
Fegt weg den Wald.
und des Meeres Flut.
Nie wird es sein.
So wie es war.
Nie wieder gut.

W.H. Auden
Funeral Blues

From Twelve Songs

Wystan Hugh Auden

From Twelve Songs

Stop all the clocks, cut off the telephone
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffed drum
Bring out the coffin, let the mourners come.

Let aeroplanes circle moaning overhed
Scibbling on the sky the message He is Dead,
Put crèpe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffig plicemen wear black cotton gloves.

He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song:
I thougth that love would last for ever: I was wrong.

The stars are not wanted now.: put out every one;
Pack up the moon and dismantle the sun;
Pour away the ocean and weep up the wood;
For nothing now can ever come to any good.

Montag, 11. Januar 2010

Star of the country Down (song)

http://www.youtube.com/watch?v=nf0SKDVU0pA

Laßt Euch noch ein wenig nach Irland entführen... Es ist die Musik, die ich heute höre.

Einfach so schön!
Foto: Regenbogen über unserem cottage in Connemara

The Holy Ground


http://www.youtube.com/watch?v=riMZ3gtJo-o
Ein wunderschönes Lied aus Irland, das mich an diesem trüben Wintertag sehnsuchtsvoll die Bilder von Irland heraufbeschwören läßt: heiliger Boden - das ist Irland für mich!

Farewell my lovely Johnny,
a thousand times adieu
You are going away from the holy ground
And the ones that love you true
You will sail the salt seas over
And then return for sure
To see again the ones you love
And the holy ground once more

You're on the salt sea sailing
And I am safe behind
Fond letters I will write to you
The secrets of my mind
And the secrets of my mind, my love
You're the one that I adore
Still I live in hopes you'll see
The holy ground once more

I see the storm a risin'
And it's coming quick and soon
And the night's so dark and cloudy
You can scarcely see the moon
And the secrets of my mind, my love
You're the one that I adore
And still I live in hopes you'll see
The holy ground once more

But now the storms are over
And you are safe and well
We will go into a public house
And we'll sit and drink our fill
We will drink strong ale and porter
And we'll make the rafters roar
And when our money it is all spent
You'll go to sea once more
You're the one that I adore
And still I live in hopes that you'll see
The holy ground once more...

Mary Black

Mein trauriges Ich



„Deine Traurigkeit ist der dunkle Samt, auf dem die Juwelen deines Lebens leuchtend funkeln. So wird dir sichtbar, über welch reiche Schätze du verfügst.“
-- Helen Ambach

Traurigkeit gehört zu den Gefühlen, die die meisten Menschen gerne verdrängen oder überspielen. Lieber schnell an was Schönes denken oder einen lustigen Film anschauen. Und wenn jemand im Umkreis traurig ist, versuchen wir, ihn oder sie abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen.
Ich versuche seit einiger Zeit, ein andres Verhältnis zu meiner Traurigkeit zu bekommen: Ich lerne, sie anzunehmen und zuzulassen und den Schmerz und das Ziehen ganz bewusst zu erleben. Das tue ich nicht, weil ich Masochistin bin, sondern weil ich immer wieder feststelle, wie viel sich in der Traurigkeit finden lässt: Inspiration, Tiefe und vor allem ich selbst.
Manchmal bin ich scheinbar grundlos traurig. Ich brauche dann immer eine gewisse Zeit, bis ich auch das annehmen kann. In einem ersten Impuls will ich mich schelten nach dem Motto: „Mensch, dir geht es so gut, wie kannst du eigentlich traurig sein?“ Aber ich halte dann inne und versuche mir die Traurigkeit zu erlauben.
Und diese Erlaubnis ermöglicht mir dann immer wieder ein Stück Selbsterkenntnis. Meine Traurigkeit anzunehmen, heißt auch mich anzunehmen. Und das tut gut, auch im Schmerz.
Traurigkeit zeigt uns, was uns wichtig ist. Sie macht uns bewusst, was wir vermissen, wonach wir uns sehnen und was uns fehlt. Traurigkeit schenkt uns Tiefe, denn sie bringt uns dazu, uns mit der Vergänglichkeit der Dinge zu beschäftigen und auch mit Grenzen. Grenzen, die entstehen, weil wir nicht alles (haben) können, nicht alles erreichen können, nicht alles verändern oder kontrollieren können.
Traurigkeit darf sein und in diesem Ja steckt die Kraft, sie auszuhalten.

Sonntag, 10. Januar 2010

Sag mir, was ist dein Leben



Sage mir, was ist dein Leben,
Lieber! Sag es, Menschenkind!
Ist es nicht gleich als ein Wind,
Als ein Schiff, der See ergeben?
Schießt es nicht so schnell dahin,
Als ein Strom von Anbeginn?

Ist es nicht als Meereswellen,
Die der hart erboste Nord
Aufgereizt und jaget fort,
Wann er schrecklich pflegt zu bellen,
Als ein Nebel, den der Tag
Nun nicht mehr vertragen mag?

Schmilzt es nicht, als Schnee und Schloßen;
Als das Eis, das noch so steif;
Schwind't es nicht, als Tau und Reif;
Wann die Wind' aus Süden stoßen,
Wann die Sonne Kraft erreicht,
Nacht und Frost und Kälte weicht?

Flieht es nicht, gleich als ein Schatten,
Als ein Rauch, der nicht besteht;
Als ein Dampf, der bald vergeht;
Als die bunt beblümten Matten;
Als die Blüten um den Ast,
Den der Sturm itzt angefasst:

Als ein Gras, das vor dem Meier
Seinen Stengel niederstreckt,
Und den Boden überdeckt:
Als ein Kräutlein um den Weiher,
Welches, wann's am schönsten grünt,
Mancher Hand zum Raube dient?

Fällt es nicht dahin als Blätter?
Fleugt es nicht als Spreu und Staub,
Die des kleinsten Windleins Raub
Bei des Herbstes schönstem Wetter?
Wird es nicht zu lauter Nichts
Als ein Strahl des Wetterlichts?

Ist wohl etwas jemals kommen
In des Menschen Sinn und Witz,
Das, gleich als der jähe Blitz,
Seine Flucht so rasch genommen?
Doch ist unser Lebensglas
Rascher aus, als alles das.

Philipp von Zesen, 1619-1689

Versäumnis

Freitag, 8. Januar 2010

Sehnsucht



Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonien hör ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh,
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Goldne Früchte seh ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muss sichs ergehen
Dort im ewgen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muss sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Dass die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du musst glauben, du musst wagen,
Denn die Götter leihn kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

Friedrich von Schiller, 1759-1805