Samstag, 29. Mai 2021

Bis bald!


Blogpause!

 

Wolkenschatten


Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder,
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen,
Wollt' es halten, mußt' es schwimmen lassen.

 Detlev Liliencron

Sonntag, 23. Mai 2021

Frühling


Mit dem Akazienduft
fliegt der Frühling
in dein Erstaunen

Die Zeit sagt
ich bin tausendgrün
und blühe
in vielen Farben

Lachend ruft die Sonne
ich schenke euch wieder
Wärme und Glanz

Ich bin der Atem der Erde
flüstert die Luft

Der Flieder
duftet
uns jung

Rose Ausländer

 

Ich wünsche Euch ein schöne, sonnige Pfingsttage! 🌷🌷🌷  

Samstag, 22. Mai 2021

Spätnachmittag


Lange Schatten fallen auf den hellen Weg
und die Sonne schickt noch letzte Abschiedswärme
und das dünne Zwitschern eines Vogels ist, als ob es lärme
und als stehl’ es etwas von der Stille weg.
Menschen auf zehn Schritt Entfernung
sind wie aus ganz andern Welten
und fast möchte man die welken Blätter schelten,
daß sie rascheln und die letzten Sonnenstrahlen stören.
Und man möchte nur die Veilchen wachsen hören.


16.4.1940 (aus Selma Meerbaum-Eisinger.: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund.
Hrsg. von Jürgen Serke, 1984)


Montag, 17. Mai 2021

Das eigene Wort

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige,
eben noch ungesprochene
Wort?

Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf an-
zukommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
 

 Hilde Domin


Samstag, 15. Mai 2021

Du musst das Leben nicht verstehen



Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke

Sonntag, 9. Mai 2021

Vor lauter lauschen und staunen sei still

 

 
Und dann gibt es diese
ganz sanften
stillen Tage

Da möchte etwas in mir  einfach atmen
Da darf es ganz leise werden in mir
Gegenüber all dem Ungelösten

Es ist ein hinein sinken
in das Vertrauen

Sich Zeit nehmen für all das Erlebte
Und einfach lauschen

"Vor lauter lauschen und staunen sei still
Du mein tieftiefes Leben"
Rilke



🌷🌷🌷🌷💞


 Heute ist Muttertag!

Sonntag, 25. April 2021

Abschied



Schau, wie leicht der Staub des Lebens
schimmernd zu den Sternen steigt.
Sterbend hoffte ich vergebens
auf ein Wunder, das mir bleibt.

Und es trug mich, denn ich sank
körperlos in Licht und Sternen,
trug mich fort und ich ertrank
still in himmelweiten Fernen.

Und in tausend Kreisen schwebe
ich durch absichtslose Zeit.
War mein Tod nicht. Denn ich lebe
und mein Herz wird mir so weit.

Lieben kann ich dich und sehen.
Jetzt da ich dein Engel bin,
streife ich mit zartem Wehen
deiner Trauer tiefsten Sinn.

Jaqueline Conrad
Foto: G. Gérard
 
 
🌟🌟🌟
 
Vielen Dank, liebe Jacqueline, dass ich Deinen neuen berührenden Text hier bei Florian einstellen darf!

 

Samstag, 17. April 2021

Ziehende Landschaft



Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mütter.

 Hilde Domin
 
Bild: Pinterest


Freitag, 16. April 2021

Und sind wir gleich nicht mehr so stark


Und sind wir gleich nicht mehr so stark wie einst,

da wir die Erde und den Himmel fassten, so sind

wir doch noch immer, die wir sind:

Ein Bündnis heißer, gleichgestimmter Herzen,

zwar schwach durch Alter und durch manchen Schlag,

doch stark in einem ungebeugten Willen, zu streben,

suchen, finden und nicht weichen….

 NN