Samstag, 14. August 2021

Blogpause


 

......"Wir wissen um die wunden Stellen an unseren Herzen, an denen der Verlust uns etwas nahm. In diesem Moment stehen wir auf dem Trittstein des gegenwärtigen Augenblicks. In einer Minute wird er vergangen sein und nie wieder zurückkehren. Mit jedem Atemzug verlieren wir Zeit. Die Sehnsucht nach etwas, das vergangen ist,  ist allgegenwärtig. Das Gefühl von Verlust verleiht unserer Sehnsucht etwas zutiefst Schmerzliches. Jedes Leben hat eigene Verluste.

Manche Menschen müssen entsetzliche Wunden von Verlust hinnehmen. E ist kaum begreiflich, wie sie damit überhaupt überleben können.
Jeder von uns wird zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens dazu aufgerufen, auf die eine oder andere Weise die peinigende Erfahrung des Verlusts zu machen.
So gesehen, ist das Leben ein allmähliches Hineinwachsen in die Kunst des Verlierens.

Den krönenden, absoluten Verlust werden wir schließlich im Tod hinnehmen.

Wenn jemand im Sterben liegt, sagt man in Connemara oft. „Tá sí ar a cailleadh“. Wörtlich: „Sie ist in ihrem Verlieren“

 John ‚ O’Donohue

Echo der Seele, S. 301

 

💚💚💚💚💚#

In einigen Tagen werden wir zurück in Connemara sein.

Ich wünsche Euch einen schönen Sommer und freue mich, wenn Ihr weiter in meinemBlog lest. Gerne könnt Ihr den Blog auch abonnieren. Dann erfahrt Ihr, wenn es einen neuen Eintrag gibt.

Bis bald mit neuer Inspiration!

Gabriele

 

Mittwoch, 11. August 2021

Im Gedenken an Daniel

 

Das Chaos zulassen
aus dem Nichts Neues schaffen
in die Irritation Klarheit bringen
in die Verzweiflung den Wagemut
in die Trauer Töne der Auferstehung
 
Annemarie Schnitt
 
 
💕💕💕
 
Heute, liebe Esther, seid Ihr es, die das Chaos der Gedanken, der inneren Bilder an Euren geliebten Daniel durchleben müsst! Verzweiflung und Wagemut - aber auch Töne der Auferstehung!
Ein so schöner Text, der Euch heute begleiten möge und all die Menschen, die heute um Daniel trauern.

In inniger Verbundenheit
Gabriele 


Sonntag, 8. August 2021

An den Engel

 

Starker, stiller, an den Rand gestellter
Leuchter: oben wird die Nacht genau.
Wir vergeben uns in unerhellter
Zögerung an deinem Unterbau.
 
Unser ist: den Ausgang nicht zu wissen
aus dem drinnen irrlichen Bezirk,
du erscheinst auf unsern Hindernissen
und beglühst sie wie ein Hochgebirg.
 
Deine Lust ist über unserm Reiche,
und wir fassen kaum den Niederschlag;
wie die reine Nacht der Frühlingsgleiche
stehst du teilend zwischen Tag und Tag.
 
Wer vermöchte je dir einzuflößen
von der Mischung, die uns heimlich trübt,
du hast Herrlichkeit von allen Größen,
und wir sind am Kleinlichsten geübt.
 
Wenn wir weinen, sind wir nichts als rührend,
wo wir anschaun, sind wir höchstens wach,
unser Lächeln ist nicht weit verführend,
und verführt es selbst,wer geht ihm nach?
 
Irgendeiner. Engel, klag ich, klag ich?
Doch wie wäre denn die Klage mein?
Ach, ich schreie, mit zwei Hölzern schlag ich,
und ich meine nicht, gehört zu sein.
 
Daß ich lärme, wird an dir nicht lauter,
wenn du mich nicht fühltest, weil ich bin.
Leuchte, leuchte! Mach mich angeschauter
bei den Sternen. Denn ich schwinde hin.

 Rainer Maria Rilke

Mittwoch, 4. August 2021

Montag, 2. August 2021

Der August



Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
 
Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau'n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.
 
Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?
 
In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, -
das Unverständliche bleibt unverständlich.
 
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht's nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle ...
 
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

 Erich Kästner

Dienstag, 27. Juli 2021

Grief

 

 
Manche Menschen denken,
dass Trauer nach einem Monat oder  einem Jahr 
schwindet.
Sie haben nicht verstanden, dass Trauer ein 
Prozess ist, den wir Tag für Tag 
durchleben müssen.

Montag, 26. Juli 2021

Fragil

On and on the rain will fall
Like tears from a star
On and on the rain will say
How fragile we are how fragile we are......

 


Freitag, 23. Juli 2021

Die schwersten Wege


Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.

Stehenbleiben und sich umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.

Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten

dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.
 
Hilde Domin 


💖💖
 
Für Euch, liebe Esther in großer Verbundenheit 💔
Gabriele


 

Dienstag, 20. Juli 2021

Die Zeit steht still



Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,
Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.
Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,
Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum.

So weht wohl auch die Landschaft unseres Lebens
An uns vorbei zu einem andern Stern
Und ist im Nahekommen uns schon fern.
Sie anzuhalten suchen wir vergebens
Und wissen wohl, dies alles ist nur Trug.

Die Landschaft bleibt, indessen unser Zug
Zurücklegt die ihm zugemessnen Meilen.

Die Zeit steht still. Wir sind es, die enteilen.
 

 Mascha Kaléko