Montag, 15. August 2022

Der Glaube

  


Der Glaube, den ich meine, ist nicht leicht in Worte zu bringen. Man könnte ihn etwas so ausdrücken: Ich glaube, daß trotz des offensichtlichen Unsinns das Leben dennoch einen Sinn hat, ich ergebe mich darein, diesen letzten Sinn mit dem Verstand nicht erfassen zu können, bin aber bereit, ihm zu dienen, auch wenn ich mich dabei opfern muß. 

Die Stimme dieses Sinnes höre ich in mir selbst, in den Augenblicken, wo ich wirklich und ganz lebendig und wach bin. Was in diesen Augenblicken das Leben von mir verlangt, will ich versuchen zu verwirklichen, auch wenn es gegen die üblichen Moden und Gesetze geht. 

Diesen Glauben kann man nicht befehlen und sich nicht zu ihm zwingen. Man kann ihn nur erleben

Hermann Hesse 

Sonntag, 14. August 2022

Der Mensch

 

einsamer Segler
im Ungewissen
aufgespannt
das weiße Segel
der Hoffnung

Annemarie Schnitt

 

Freitag, 12. August 2022

Vergesst es nie - vergesst ihn nie: Daniel

 
 
Vergesst es nie:
Dass er lebte,
war keine eigene Idee,
und dass er atmete,
kein Entschluss von ihm. 
Dass er lebte,
war eines anderen Idee,
und dass er atmete,
sein Geschenk an ihn.
Vergesst es nie:
Niemand dachte und fühlte
und handelte so wie er,
und niemand lächelte so,
wie er's getan.
Niemand sah den Himmel
ganz genau wie er,
und niemand hat je,
was er wusste gewusst.
Vergesst es nie:
Sein Gesicht hatte niemand sonst
auf dieser Welt,
und solche Augen hatte alleine er.
Er war gewollt,
kein Kind des Zufalls,
keine Laune der Natur.
Er war ein Gedanke Gottes,
ein genialer noch dazu. 
 
(Jürgen Werth)💖
 
 

 Liebste Esther, lieber Rainer, lieber Marcel,

wenn ich an Daniel denke  (und ich bedauere es zutiefst, ihn nicht kennengelernt zu haben), dann sehe ich sein schönes Gesicht auf den Fotos, einen strahlenden jungen Mann... und dann denke ich an eine Blumenwiese, an etwas Schönes und Unvergleichliches.

Ich weiß heute um Euren großen Kummer und Schmerz und ich bin in Gedanken fest bei Euch. 

 Nichts wurde jemals wieder wie es war!  

Mit Euch traurig

Eure Gabriele

Sonntag, 31. Juli 2022

Kein Licht

 

Kein Licht
am Ende des Tunnels
ohne ein Feuer in dir
bleibt es dunkel

Annemarie Schnitt

Bild:  Emil Nolde

Samstag, 23. Juli 2022

Bei Nacht


Nachts, wenn das Meer mich wiegt
Und bleicher Sternenglanz
Auf seinen weiten Wellen liegt,
Dann löse ich mich ganz
Von allem Tun und aller Liebe los
Und stehe still und atme bloß
Allein, allein vom Meer gewiegt,
Das still und kalt mit tausend Lichtern liegt.

Dann muss ich meiner Freunde denken
Und meinen Blick in ihre Blicke senken,
Und frage jeden still allein:
"Bist du noch mein?
Ist dir mein Leid ein Leid? Mein Tod ein Tod?
Fühlst du von meiner Liebe, in meiner Not
Nur einen Hauch, nur einen Widerhall?"

Und ruhig blickt und schweigt das Meer
Und lächelt: Nein.
Und nirgendwo kommt Gruß und Antwort

Hermann Hesse

 

Freitag, 22. Juli 2022

Eine Stunde

 
 

 
Eine Stunde ist nicht nur eine Stunde; sie ist ein mit Düften, mit Tönen, mit
Plänen und Klimaten angefülltes Gefäß. Was wir die Wirklichkeit nennen,
ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen. 
 
Marcel Proust
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

 

Mittwoch, 13. Juli 2022

Aus dem Himmel

 

 
Aus dem Himmel
eine Erde machen
aus der Erde
einen Himmel
 
wo jeder 
aus seiner Lichtkraft
einen Stern ziehen kann
 
Rose Ausländer

Aufbruch


 

Freitag, 1. Juli 2022

22 Jahre ohne Dich, geliebter Florian

                    Und es kam der Tag und Du tauchtest in die Sterne.🌟🌟🌟🌟

 

Geliebter Florian!

Ich denke in diesen Tagen oft an Deine Metapher des Bootes, das auf dem Meer den Gezeiten ausgesetzt ist und das rettende Ufer, das wir für Dich mit dem Garten hier symbolisierten. 
Die Winde, die Wellen, sie gehörten für Dich zum LEBEN und Du hast die nicht gefürchtet..
Du hast der rettenden Insel hier immer vertraut.

Wir haben Dich nicht retten können, geliebter Sohn.  Du bist zwar zu uns gesegelt im Sommer 2000, aber nur um Adieu zu sagen. Dein Boot lenktest Du zurück nach Dublin, in Dein neues Zuhause. 

 
Alles ist nun schon so lange her. Längst geht das Leben in neuen, anderen Bahnen für uns weiter und doch blieb es in Bezug auf Dich für immer stehen. Wir fragen nicht mehr nach dem "warum.." und "weshalb Florian?".... Wir haben gelernt, ohne Antwort zu bleiben.
 
Die See, in der auch unser Lebensboot treibt, mein Sohn, ist so unruhig geworden und manchmal denke ich, dass Du glücklich sein musst, Dich in dieser unübersichtlichen Welt nicht mehr zurechtzufinden. Andererseits erinner ich, dass Du Deine Segel gerne gesetzt hast und dass Du ein gutes Gespür für die richtige Richtung entwickeln konntest...

 
Was geblieben ist in all diesen Jahren, das ist unser Liebe 💓 zu Dir und unsere Loyalität. 
 
Heute begehen wir Deinen Sterbetag alleine.  Der Kreis Deiner und unserer Freunde, hielt sehr lang. 20 Jahre schloß er sich um uns und erst als ich deutlich spürte, dass das Leben aller anderen sich zu weit von uns und unserer Trauer entfernt hatte,
wollte ich lieber alleine mit Hans sein. 
 
Wir sind alt geworden, liebster Florian.  Wenn ich die Fotos sehe, als wir 2001 Deinen Baum im Garten pflanzten, dann kann ich nicht fassen, wo die Zeit geblieben ist.. 
Aus Deinem Bäumchen war ein stattlicher, schöner Baum geworden, der als erster im Frühling blühte und im Sommer Früchte truf. Nun stirbt auch er. Langsam. Es tut weh, zu sehen, dass Hans immer neue Äste aus der Krone herausscheiden muß... Auch er  erinnert uns damit an die Veränglichkeit und vielleicht spiegelt er auch unser Leben. 

Dein Lachen hast Du uns geschenkt und es ist noch immer in uns!

💓
 
Wir sind so traurig, dass wir Dich nicht auf dieser Seite hier behalten konnten. 
Und wir sind so dankbar dafür, dass es Dich gab! 

In Liebe und unauflösbarer Verbundenheit
Deine Mom