Mittwoch, 26. Mai 2010

Es gibt Momente




Es gibt Momente
da wünschte ich
ich wäre ein Boot für Dich.
ein Boot, das Dich fortträgt
wo immer Du Dich hinsehnst.
Ein Boot, das schwer genug ist,
für all Deinen Ballast,
den Du mit Dir trägst.
Ein Boot, das niemals kentert
egal, wie unruhig Du bist
egal, wie stürmisch
die Lebenssee ist
auf der wir treiben."

Es gibt Momente
da wünschte ich
ich wär Sonnenstrahlen
für Dich
Sonnenstrahlen,
die Deine Hände wärmen
Deine Tränen trocknen,
Sonnenstrahlen,
die Dich an der Nase kitzeln
und Dich zum Lachen bringen
Sonnenstrahlen,
die Deine dunklen Winkel
in Deinem Innern erleuchten,
Deinen Alltag in helles Licht tauchen,
die Eisberge um Dich
zum Schmelzen bringen.

Margot Bickel

Kinderbilder: Florian, 1981
Lange stand ich vor der schmalen Holzbrücke,
die sich mit ihrem sanften Bogen spiegelte.
Es war eine Brücke zum Hin- und Hergehen,
hinüber und herüber. Einfach so,
des Gehens wegen der Spiegelungen.

Die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber.
Hinüber, dorthin, wohin der andere ging.
Und zurück, dorthin, wo man mit ihm war
alle die Jahre des gemeinsamen Lebens.

Und dieses Hin- und Hergehen ist wichtig.
Denn, da ist etwas abgerissen.
Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder.
Da ist etwas verlorengegangen.
Die Erinnerung sucht es auf und findet es.

Da ist etwas von einem selbst weggegangen.
Man braucht es. Man geht ihm nach.
Man muß es wiedergewinnen, wenn man leben will.
Man muß das Land der Vergangenheit erwandern,
hin und her, bis der Gang über die Brücke
auf einen neuen Weg führt.

(Jörg Zink)

Looking back...



"Weißt du was du bist?Du bist ein Wunder. Du bist einzigartig.
In all den Jahren, die vergangen sind,
hat es nie ein Kind wie dich gegeben."


Pablo Casals

Dienstag, 25. Mai 2010

Warum erfüllen uns...


Warum erfüllen uns
Gräser, eine Wiese, ein Baum
mit so reiner Lust?
Weil wir da Lebendiges vor uns sehen,
das nur von außen her
zerstört werden kann --
nicht durch sich selbst

Christian Morgenstern

Montag, 24. Mai 2010

Leben + Wellen



Das Leben und die Wellen haben eines gemeinsam: sie treiben etwas an und spülen etwas anderes weg denn wenn die Flut kommt spülen die Wellen die Sandburgen weg aber sie treiben vielleicht auch ein Stück Holz an mit dem jemand das Dach seiner Hütte ausbessern kann.

-Margot Bickel-

Sonntag, 23. Mai 2010

Ich bin nicht ich



Ich bin nicht ich
Ich bin der,
der mich unsichtbar begleitet,
den ich manchmal aufsuche
und manchmal vergesse.
Der gelassen schweigt, wenn ich rede,
der milde verzeiht, wenn ich hasse,
der hingeht, wo ich nicht bin,
der stehen bleiben wird, wenn ich sterbe.

Juan Ramón Jiménez, geb. 1881

Yo no soy yo
Soy este
que va a mi lado sin yo verlo;
que, a veces, voy a ver,
y que, a veces, olvido.
El que calla, sereno, cuando hablo,
el que perdona, dulce, cuando odio,
el que pasea por donde no estoy,
el que quedará en pié cuando yo muera.

Endgültige Reise



Endgültige Reise

... Und ich werde gehen. Die Vögel werden weitersingen;
mein Garten verbleibt, mit seinem grünen Baum
und seinem weißen Brunnen.

Jeden Nachmittag ein blauer, gelassener Himmel;
jeden Nachmittag, wie heute, das Läuten
der Glocken im Glockenturm.

Die mich liebten werden sterben;
das Dorf wird sich in jedem Jahr erneuern;
und in jener Ecke meines blühenden und geweißelten Gartens
irrt nostalgisch mein Geist...

Und ich werde gehen; allein werde ich sein, ohne Heim, ohne
grünen Baum, ohne weißen Brunnen,
ohne blauen, gelassenen Himmel...
Die Vögel werden weitersingen.

Juan Ramón Jiménez


El viaje definitivo
...Y yo me iré. Y se quedarán los pájaros cantando;
y se quedará mi huerto, con su verde árbol
y con su pozo blanco.

Todas las tardes, el cielo será azul y plácido;
y tocarán, como esta tarde están tocando,
las campanas del campanario.

Se morirán aquellos que me amaron;
y el pueblo se hará nuervo cada año;
y en el rincón aquel de mi huerto florido y encalado,
mi espiritú errará, nostáljico...

Y yo me iré; y estaré solo, sin hogar, sin árbol
verde, sin pozo blanco,
sin cielo azul y plácido...
Y se quedarán los pájaros cantando.

Pfingsten


Weihnachten frisch und gesund
Im frohen Geschwisterrund,
Am Neujahr mit blaßem Mund,
An den drei Kön'gen im Grund.
So thaten die Feste sich kund
Mit Tod und Grab im Bund.
Mein Herz bleibt bis Ostern wund
Und wird nicht bis Pfingsten gesund.

Friedrich Rückert

Foto: Friedhof von Santanyí

Seele + Natur


Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit Bäumen oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern, wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.
Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft. Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.
Aber das Herz des Menschen ist imstande, die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen. Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache,. Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt. Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen? Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?

Khalil Gibran, Ideen

Samstag, 22. Mai 2010

Federleicht



Federleicht

In manchen Augenblicken
ist das Herz so leicht,
dass ich es in die Hand nehme
und wie eine Feder
durchs Blau des Himmels schweben lasse

Gaby Gulich

Foto: Spaziergang auf Mallorca