"Und manchmal, während wir so schmerzhaft reifen, dass wir beinahe daran sterben, erhebt sich aus allem, was wir nicht begreifen, ein Gesicht und sieht uns strahlend an" Rainer Maria Rilke
Donnerstag, 27. Dezember 2018
Das Lied von der Anderwelt
Das Lied von der Anderwelt
es gibt einen See in der Anderwelt,
drin sind alle Tränen vereint,
die irgendjemand hätt’ weinen sollen
und hat sie nicht geweint.
es gibt ein Tal in der Anderwelt,
da geh’n die Gelächter um,
die irgendjemand hätt’ lachen sollen
und blieb statt dessen stumm.
es gibt ein Haus in der Anderwelt,
da wohnen die Kinder beinand
Gedanken, die wir hätten denken sollen
und waren’s nicht imstand.
und Blumen blüh’n in der Anderwelt,
die sind aus Liebe gemacht,
die wir uns hätten geben sollen
und habens nicht vollbracht.
und kommen wir einst in die Anderwelt,
viel Dunkles wird sonnenklar,
denn alles wartet dort auf uns,
was hier nicht möglich war.
Michael Ende
Dienstag, 25. Dezember 2018
Montag, 24. Dezember 2018
Stille Nacht
Weihnachten möchte ich allein sein
https://sz-magazin.sueddeutsche.de/senior-editor-die-oma-kolumne/stille-nacht-86510
»Ich werde an Heiligabend eine Flasche Wein entkorken. Dann werde ich mich mit einem Glas auf das Sofa setzen und lesen. Um kurz nach acht Uhr werden meine Enkel anrufen und sich für die Geschenke bedanken. Ich werde ihnen fröhliche Weihnachten wünschen. Danach werde ich aufstehen, die Balkontür öffnen und die Winterluft hereinlassen, die die Wärme in meiner Wohnung zerschneiden wird. Mit der Kälte wird die Stille in die Wohnung strömen. Es gibt kaum einen Abend, an dem sie dichter und greifbarer ist als an Weihnachten. Es sind keine Schritte zu hören, niemand läuft durch die Straßen. Wer eine Familie hat, sitzt mit ihr gemeinsam vor dem Weihnachtsbaum. Wer keine Familie hat, sitzt alleine vor dem Nichts. Stille Nacht, heilige Nacht.
Für alle, die Weihnachten alleine sein wollen!
Euch vor allem viel Licht am heutigen Abend und eine stille Umarmung!
Gabriele
Samstag, 22. Dezember 2018
Der Weg zum Grab
Regentropfen meine Augen und die kalten Wangen berühren
Pfützen in denen sich die grauen Wolken des Himmels spiegeln
Äpfel faulig, leblos im nassen braunen Laube liegen
Brennesselspitzen zartgrün sich dazwischen schieben
Rebhölzer kahl, mit ganzer Kraft sich zum Himmel strecken
betend schreiend
Trauben vergessen, wie stumme Glocken
an vertrockneten Stielen schaukeln
Moos frischgrün wie Samt, von Schneeresten bedeckt
Tannennadeln viele viele braun und trocken,
dem Müden ein weiches Bett bereiten
Rosensträucher ledrig dunkelgrüne Blätter,
Blütenköpfe kraftlos hängen, die Farbe ist gewichen
Ringelblumen sonnengelb, wehren sich mit ganzer Kraft dem Sterben
Gänseblümchen sich zum Boden neigen und verlassene Schneckenhäuschen trösten
Spatzen im kahlen Kirschbaum, Wehgeschrei, wie Hilferufe bei Schmerzen
Das Grab, nasskalt, mein Kind...
Engel, Sterne, Kerzen, schwere rote Glasherzen
Christrosen blühen bis Weihnacht
Suchen nach Trost...
„Der Weg zum Grab“ am 1. Advent 29.11.2015
Esther Joos
♡♡♡♡♡♡♡♡♡♡
Liebe Esther,
ich danke Dir sehr, dass ich diesen berührenden, traurigen Text, den Du für Daniel geschrieben hast, zu Florian stellen darf.
Ein lichtvolles Weihnachten Euch ♡♡♡ und einer ist immer dabei 💓
In großer Verbundenheit
G.
Tage zum Anhalten
Tage zum Anhalten
zum Verweilen im Zauber
befreiender Gedanken
Weihnachten
der Traum von einem Leben
ohne Argwohn und Weh
ohne Krieg und Zerstörung
Weihnachten
der Lichtblick die Hoffnung
auf Veränderung und
Neuwerdung der Welt
Annemarie Schnitt
Mittwoch, 19. Dezember 2018
Brachzeit
Vom Winter lernen
der Stille zu vertrauen
der Sprengkraft des Unsichtbaren
und dem Sammeln in den Kammern
während der Brachzeit
Vom Winter wieder lernen
sich überschneien zu lassen
ohne Furcht
Eveline Hasler
Foto: Zypern 2018
Dienstag, 18. Dezember 2018
Der Weihnacht-Engel
Der Weihnachts-Engel
An
meinem Küchenfenster schwebt ein kleiner schwarzmetallener Posaunenengel. Er zieht
mich mit durch jedes neue Jahr von Weihnachten zu Weihnachten, Und zum Fest
verwandelt er sich immer neu in den großen Engel auf meinem Transparent
am Esstisch, der sich wie schützend über die Krippe mit dem Kind beugt!
Wenn das neue Jahr beginnt, hebt der Engel wieder ab an mein Küchenfenster und zieht mir voran durch alle Tage. Er spielt auf seiner kleinen Posaune das Lied vom Frieden, das Lied aller Lieder.
Wenn das neue Jahr beginnt, hebt der Engel wieder ab an mein Küchenfenster und zieht mir voran durch alle Tage. Er spielt auf seiner kleinen Posaune das Lied vom Frieden, das Lied aller Lieder.
Wenn mein Blick auf ihn fällt im Raum oder von
außen, dann wird mir wärmer um Herz, dann wachsen mir Flügel.
Es sind die Bilder, die uns im Leben begleiten
und mitnehmen die unsere Räume und uns selbst verwandeln, Weihnachtsbilder, Bilder
der Erinnerung an Vergangenes, Bilder, die uns weiter tragen.
Manchmal
sage ich meinem Küchenengel „Guten Morgen“ und er posaunt es mir zurück,
einfach so. Den Weihnachtsengel begrüße ich leise zum Heiligen Abend und er umarmt mich.
Annemarie Schnitt
Liebe Annemarie,
ich hoffe, dass Du uns von dort, wohin Du meinem Sohn gefolgt bist im vergangenen Jahr, sehen und bei uns sein kannst. Ich vermisse Dich und denke, wenn ich Deine wundervollen Texte lese, intensiv an unseren kleinen Austausch, der mir so wertvoll war und so viel Freude gemacht hat.
Diesen Text schicktest Du mir vor vielen Jahren und ich möchte ihn heute wieder mit den Menschen teilen, die - aus welchen Gründen auch immer - auf Florians Seite gefunden haben.
Ich grüße Dich und ich bin getröstet, zu wissen, dass Florian nun in Deiner Nähe ist und er, der so viel Poesie in sich trug, an Deinen Lippen hängt!
Gesegnete Weihnachten Euch Himmelsmenchen!
Samstag, 15. Dezember 2018
Stern von Betlehem
*
Seht nur
es lächelt *
lächelt noch immer *
zärtlich das Licht: *
lächelt *
aus all dem, *
was am zerbrechlichsten ist. *
*
Isabella Schneider
Ich wünsche Euch eine lichtvolle Zeit!
Fortschritt
Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter,
als ob es jetzt in breitern Ufern ginge.
Immer verwandter werden mir die Dinge
und alle Bilder immer angeschauter.
Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:
Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln,
reiche ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
und in den abgebrochnen Tag der Teiche
sinkt,wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.
Rainer Maria Rilke
als ob es jetzt in breitern Ufern ginge.
Immer verwandter werden mir die Dinge
und alle Bilder immer angeschauter.
Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:
Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln,
reiche ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
und in den abgebrochnen Tag der Teiche
sinkt,wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.
Rainer Maria Rilke
Dann
Dann werde ich
auf einem schwarzen Stein am Meer sitzen.
Ich werde den Möwen mit meinen Augen folgen
und nicht müde werden.
Wenn die Flut über meine Füße spült,
werde ich mich nicht wegbewegen.
Dann werde ich noch einmal
darüber nachdenken, wer ich war
und wer ich sein wollte.
Endlich wird mir nichts mehr leid tun
und ich werde mir alles vergeben.
Dann wirst du mich rufen,
ich werde dich hören, aber nicht kommen.
Ich werde auf dem Stein festwachsen
und meinen Namen mit deiner Stimme sprechen.
Ich werde in deiner Stimme und in meinem Namen sein
und mich lieben wie noch nie.
U. Schaffer
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