Sonntag, 31. Juli 2011

On The Death Of The Beloved



— John O’Donohue

Though we need to weep your loss,
You dwell in that safe place in our hearts,
Where no storm or night or pain can reach you.

Your love was like the dawn
Brightening over our lives
Awakening beneath the dark
A further adventure of colour.

The sound of your voice
Found for us
A new music
That brightened everything.

Whatever you enfolded in your gaze
Quickened in the joy of its being;
You placed smiles like flowers
On the altar of the heart.
Your mind always sparkled
With wonder at things.

Though your days here were brief,
Your spirit was live, awake, complete.

We look towards each other no longer
From the old distance of our names;
Now you dwell inside the rhythm of breath,
As close to us as we are to ourselves.

Though we cannot see you with outward eyes,
We know our soul’s gaze is upon your face,
Smiling back at us from within everything
To which we bring our best refinement.

Let us not look for you only in memory,
Where we would grow lonely without you.
You would want us to find you in presence,
Beside us when beauty brightens,
When kindness glows
And music echoes eternal tones.

When orchids brighten the earth,
Darkest winter has turned to spring;
May this dark grief flower with hope
In every heart that loves you.

May you continue to inspire us:

To enter each day with a generous heart.
To serve the call of courage and love
Until we see your beautiful face again
In that land where there is no more separation,
Where all tears will be wiped from our mind,
And where we will never lose you again.

=
Danke, liebe Eva!

Foto: Irland 2010

Samstag, 30. Juli 2011

Leid und Freud


Wie Nacht und Tag
stehen Freud und Leid
nebeneinander
lösen sich ab
wie Töne im Lied
fließen ineinander über
berühren sich
überspringen sich
wie Steine im Spiel
bleiben im Wechsel
unverwechselbar
wie Tag und Nacht

Annemarie Schnitt

Freitag, 29. Juli 2011

Wenn ich leben will


wenn ich leben will
muß ich atmen -
atembare luft

wenn ich leben will
muß ich essen -
eßbares essen

wenn ich leben will
muß ich trinken -
trinkbares Wasser

wenn ich leben will
muß ich schlafen und wachen -
nicht nur schlafen

wenn ich leben will
muß ich mich selbst und andere lieben
und gegen Krieg sein

Erich Fried

Bild: Ch. Thomé

Warum


Nicht du um der Liebe willen
sondern um deinetwillen
die Liebe (und auch um meinetwillen)

Nicht
weil ich lieben muss
sondern weil ich dich
lieben muss

Vielleicht weil ich bin
wie ich bin
aber sicher
weil du
bist
wie du bist

Erich Fried

Donnerstag, 28. Juli 2011

Für Tote


gibt es keinen Platz mehr
auf dieser Erde
im Schatten unserer Tage
tanzen sie schwerelos
auf der Bühne der Erinnerung
den Tanz der Vollendung


Annemarie Schnitt

Ich möchte Euch auf eine Gedenkseite aufmerksam machen, die ich selbst besonders berührend finde:
http://www.winter-kind.de/

An die Einsamkeit

Sei du mein Trost, verschwiegene Traurigkeit!
Ich flieh' zu dir mit so viel Wunden,
Nie klag' ich Glücklichen mein Leid:
So schweigt ein Kranker bei Gesunden.

O Einsamkeit! Wie sanft erquickst du mich,
Wenn meine Kräfte früh ermatten!
Mit heißer Sehnsucht such' ich dich:
So sucht ein Wandrer, matt, den Schatten.

Hier weine ich. Wie schmähend ist der Blick,
Mit dem ich oft bedauert werde!
Jetzt, Tränen, hält euch nichts zurück
So senkt die Nacht Tau auf die Erde.

O daß dein Reiz, geliebte Einsamkeit!
Mir oft das Bild des Grabes brächte:
So lockt des Abends Dunkelheit
Zur tiefen Ruhe schöner Nächte.

Johann Timotheus Hermes, 1738-1821

Mittwoch, 27. Juli 2011

Schicksal



Wer es gebeugt
durchs Leben trägt
spürt mit jedem
ungetragenen Schritt
wie schwer es wiegt.
Wer seelenbetäubt
den lichtlosen Weg
der Trauer geht
hört mit jedem
gebrochenen Herzschlag
wie unerbittlich es schlägt.
Müssen wir Schicksal tragen
um ein tieferes Leben zu finden?
Müssen wir Leid erfahren
um aus höheren Quellen zu trinken?
Denn irgendwann
werden die Trostsuchenden
immer auch die Tröstenden sein.
Weil Schicksal allein
sich dem Schicksal
mit-teilen kann.


© Ute Leser

Danke, liebe Ute!

Dienstag, 26. Juli 2011

Ich finde mich in dir


Ich trage deine Gedanken in mir
und wiege sie sanft wie ein Kind.
Daraus wächst und entwickelt sich ein Wir,
das uns traumhaft und selig umspinnt.

Mit deinen Augen betrachte ich staunend das Meer,
mit deinen Ohren lausch ich dem Wind.
Und mit all meinen Sinnen spür ich so sehr,
dass ich ohne dich taub bin und blind.

Ich taste mich mit deinen Händen zum Licht.
Mit deinen Füßen gelingt es mir, Wege zu wagen.
Und im Spiegel erkenne ich, dass mein Gesicht
und das deine gemeinsame Züge tragen.

Elli Michler

Bild: Bernadino Luini

Der Tod...


Der Tod bedeutet Tilgung jeden Schmerzes,
und er ist die Grenze,
über die unsere Leiden nicht hinausgelangen;
er gibt uns wieder jenen Zustand der Ruhe zurück,
dem wir vor unserer Geburt angehörten.

Seneca

Ich weiß nicht ....


ICH WEISS NICHT, WIE ICH
vom heutigen Ufer
ans Ufer von morgen gelangen soll.

Der Fluß entführt inzwischen die Wirklichkeit dieses Abends
In Meere ohne Hoffnung.

Ich blicke nach Osten, nach Westen.
Ich blicke nach Süden und nach Norden...
Die ganze goldene Wahrheit,
die meine Seele umgab -
gleich einem vollendeten Himmel -
fällt, zerbrochen und falsch.

...Ich weiß nicht, wie ich
vom heutigen Ufer
ans Ufer von morgen gelangen soll.

Juan Ramón Jiménez