Donnerstag, 26. März 2009

Weisheiten des Herzens 3



Darin besteht die Liebe:
Dass sich zwei Einsame
beschützen und berühren
und miteinander reden.

Rainer Maria Rilke
(1875 - 1926)

Weisheiten des Herzens 2



Ich bin fertig mit bedeutenden Dingen
und großen Plänen, bedeutenden Istitutionen
und großen Erfolgen. Ich bin für diese kleinen,
unsichtbaren, liebenden, menschlichen Kräfte,
die zwischen den Einzelnen wirken,
die durch die Ritzen der Welt kriechen
wie so viele kleine Wurzeln oder wie Wasser,
das durch haarfeine Risse dringt und, wenn es genug Zeit hat,
sogar die härtesten Monumente des Stolzes zerbersten läßt.


William James
(1840 - 1910)

Foto: Ausschnitt aus einem alten Grabstein (Friedhof auf dem Darß)

Mittwoch, 25. März 2009

Weidenkätzchen



Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.
Wollen's gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.
In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?
Mußt dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.
Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen läßt.
Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt.

Christian Morgenstern

Foto: Spreewaldlandschaft heute fotografiert von Hans-Jürgen

Das Heilmittel



Das Heilmittel
für alles Übel
und Unrecht, die Sorgen
Leiden und Verbrechen
der Menschheit
liegt in einem Wort
"Liebe".
Sie ist die göttliche Energie,
die Leben schafft
und erneuert.
Jedem einzelnen von uns
gibt sie die Kraft,
Wunder zu vollbringen.
Wenn wir es nur wollen.

Lydia M. Child
(1802 - 1880)

Schutzengel


Irgendwann und irgendwo
hat er auch dich
schon einmal
flüchtig berührt.
Und wenn es nur
die brüchigen Spitzen
seiner Flügel waren.
Hast du das Rauschen
seiner Federn nicht gehört
die den seidenen Faden
deines Lebens todesmutig
in die Hände nahmen?
Manchmal ist es nur
ein hauchdünner Atemzug
der uns vom Unglück trennt.
Und manchmal nur
ein unsichtbarer Schritt
der sich sichtbar
zum Leben bekennt.
Lass sie stehen
diese stillen Wunder
die sich durch nichts
erklären lassen.
Weil wir sie allein
mit unserem Gefühl
der Demut erfassen.

©Ute Leser

Danke, liebe Ute, für dies schöne Gedicht

Foto: Engelskulptur Ute Leser

Schwestern




Menschen leben im gegenseitigen Schutz!

Irisches Sprichwort

Bild: Emilie Claus Die Schwestern

Dienstag, 24. März 2009

Weisheiten des Herzens 1



Allein die Liebe
vermag Lebewesen
in einer solchen Weise
zu vereinen,
dass sie vollkommen
und erfüllt sind,
denn sie alleine nimmt sie
und verbindet sie mit dem,
das am tiefsten
in ihnen ist.

Pierre Teilhard De Chardin
(1881- 1955)

Foto: Spreewaldlandschaft

Montag, 23. März 2009

Einsichten?



Ich gehe hier in der Reha-Klinik täglich an einer Ausstellung vorbei deren erstes Bild der folgende Satz ist... Ich nehme ihn mit in meine letzte Woche hier und denke über diese Worte nach:

Auch wenn es manchem ganz und gar nicht gefallen mag:
Das Geheimnis alles Geheimnisse heißt a k z e p t i e r e n!
Nimm das Leben an, wie das Leben fließt!
Es ist gar nicht so schwer.
Alles, was du tun mußt, ist, deinen bisherigen Standpunkt zu ändern.
Ganz klar, denn die Geschehnisse des Lebens richten sich nicht nach deinen Wünschen.
Also mußt Du dich nach den Geschehnissen des Lebens richten.

Gerhard Ritter

Foto: Die Birkenallee, die auf die Klinik zuläuft

Freitag, 20. März 2009

Motto



Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste Stunde steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.

Rainer Maria Rilke

Foto: Florians Platz hier an meinem Bett

Alle Birken grünen



Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

Hermann Löns

Der Blick aus meinem Fenster - hier in der Reha im Spreewald, wo ich mich von den Strapazen der Operation erhole und neue Kräfte schöpfe.
Dieser Birkenhain ist zugleich eine Brücke zu unserem Garten, in dem große Birken stehen.
Manchmal habe ich Sehnsucht nach meiner "Normalität", die mir in diesen Tagen abhanden gekommen ist. Aber früh genug werde ich wieder eintauchen in das Leben mit all seinen Facetten. Im Moment genieße ich die notwendige Auszeit.
Carpe Diem!