Sonntag, 25. Dezember 2022

Weihnachten

 


Träume und Hoffnung
in gläserne Kugeln versteckt
dass ein Jahr ende im Licht
und neue Räume ausleuchte
dass im geheimen Glanz
verborgene Wünsche wachsen
dass sie warm aufblühen
als wären sie längst erfüllt

Annemarie Schnitt

Das Geheimnis der Weihnacht

 

 
Das Geheimnis der Weihnacht besteht darin,
dass wir auf der Suche nach dem 
Großen
und 
Außerordentlichen
auf das
Unscheinbare 
und 
Kleine 
hingewiesen werden

💫💫💫💫💫💫💫

Mit dem Foto der letzten Weihnachtskarte, die ich von Florian 1999 aus Irland bekam, wünsche ich Euch ein gesegnetes, behütetes und besinnliches Weihnachten. 

Gabriele

 

Wieder Weihnachten

 

 
 
Wieder Weihnachten 
und du 
zündest ein Licht
am Rande des Tages 
am Rande des Jahres 
auszuleuchten
die Wege weiter
wieder Weihnachten 
und du hälst an 
am geheimen Meilenstein
mitten im Raum

NN

Freitag, 23. Dezember 2022

Vögel mit Wurzeln

 

Meine Worte sind Vögel
mit Wurzeln

 immer tiefer
immer höher
Nabelschnur.

 Der Tag blaut aus
die Worte sind schlafen gegangen.

 

In: Hilde Domin: Hier. Gedichte, 1964 .

 

Montag, 19. Dezember 2022

Das Wachsen von Träumen


Das Wachsen von Träumen
macht Angst
als fehlten die Flügel
diese Mauern
zu überfliegen.

 Schrei nach
einer Hand, einer Tür,
aus Fleisch, aus Holz

 

In: Hilde Domin: Hier. Gedichte, 1964

 

Samstag, 17. Dezember 2022

Ich lege mich hin


Ich lege mich hin,

ich esse nicht und ich schlafe nicht,

ich gebe meinen Blumen

kein Wasser.

Es lohnt nicht den Finger zu heben.

Ich erwarte nichts.

Deine Stimme, die mich umarmt hat,

es ist viele Tage her,

ich habe jeden Tag

ein kleines Stück von ihr gegessen,

ich habe viele Tage

von ihr gelebt.

Bescheiden wie die Tiere der Armen

die am Wegrand

die schütteren Halme zupfen

und denen nichts gestreut wird.

So wenig, so viel

wie die Stimme,

die mich in den Arm nimmt,

musst du mir lassen.

Ich atme nicht

ohne die Stimme.

 

 Hilde Domin

 

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Weil du nicht da bist




Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.

Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.

Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschimmer,
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist«, flüstert es im Zimmer.

 MASCHA KALÉKO

Montag, 12. Dezember 2022

Stille


Kristalle in der Sonne

Vom Frost erstarrt

die Rose auf dem Grab

Wie Glas zerspringt die Blüte

 

Dem Eiswind zum Trotz

tanzt Leben auf den Totenhügeln

nach Klängen der Stille

die Schweigen füllt

 

Draußen braust Leben

rüttelt an Mauern

Der Friede hier ist tief

Könnt‘ ich ihn rübertragen

 

E. Ruhöfer

 

Sonntag, 11. Dezember 2022

Worldwide 🕯 candle lightning day

Für Dich, geliebter Florian  und im Gedenken an alle früh Verstorbenen. 
Für Euch, die Ihr mit mir um Eure Lieben trauert. 💔💔
 
 
Es ist kälter geworden
seitdem er fortging
über den Horizont hinaus
seitdem sein Lächeln erloschen
seine Hand nicht mehr spürbar
seine Stimme verstummt
es ist kälter geworden draußen
seitdem lebe ich von der Wärme
unentrinnbarer Erinnerung
 
Annemarie Schnitt

 

Im Dezember




Manchmal fällt alle Kraft aus meinen Händen,
mein Herz so schwer hält müden Kummer kaum.
Und alle Tränen wollen sich verschwenden, 
fließen zurück in deinen Weltenraum.

Doch bald schon fällt ein Licht in meine Mitte,
ich sah nicht gleich woher es flüsternd kam,
taucht in mein Herz, als sei es eine Bitte 
den Sinn zu sehn der mich bald mit sich nahm.

Da trug es mich in winterkalte Wälder,
hier leuchteten die Sterne mir so weit,
hier leuchteten die schneebedeckten Felder
im Lichte einer neuen Weihnachtszeit.

(J. Conrad-Morgenstern)