Mittwoch, 31. März 2010

Als dann der Frühling im Garten stand



Als dann der Frühling im Garten stand,
Das Herz, ein seltsam Sehnen empfand,
Und die Blumen und Kräuter und jeder Baum
wachten auf aus dem Wintertraum.


Schneeglöckchen und Veilchen hat über Nacht
der warme Regen ans Licht gebracht,
Aus Blüten und dunkler Erde ein Duft
durchzog wie ein sanftes Rufen die Luft.

Percy Bysshe Shelley
(1792-1832)

Reliquien



Ich finde immer wieder kleine Botschaften aus einem anderen Leben. Sie sind heute mein Reichtum - meine Reliquien und der Beweis, dass es ihn gegeben hat - meinen Sohn! Ich lese in den Gedichten von Renate Salzbrenner und finde dieses:

Aus dem Schattenreich

In meinem Traum
reden wir miteinander
lachen wir miteinander

Du
aus dem Schattenreich
vom Schattenbeherrscher
ein Geschenk für die Nacht
und zurückgerufen am Tage

So werden
meine Tage zu Nächten
meine Nächte zu Tagen
dein Besuch meine Wirklichkeit

Dienstag, 30. März 2010

Vergissmeinnicht


Wie sollten wir euch
jemals vergessen
wenn alle
verstummten Lebenslieder
sich Jahr für Jahr
als blühende Sehnsucht
durch die schwarze Erde ziehen?
Und wie sollten wir
das unvergängliche Glück
des Augenblicks ermessen
wenn unsere
lebendigen Erinnerungen
mitten im Keimen
trostlos verblühen?

© Ute Leser

Montag, 29. März 2010

Flieg, Schmetterling, flieg...



Für Anna Maria zum heutigen Gedenktag von Stefans Geburt

Flieg, Schmetterling, flieg…
Und wenn die Kraft nicht reicht,
dann lass uns deine Träume träumen
und wir begleiten dich zu andren Räumen,
wo alles zeitlos wird und frei und leicht.

Und wenn die Kraft nicht reicht,
dann werden unsre Wünsche neue Wege weben
und unsre Kraft wird deiner Seele Flügel geben
ganz zarte, wie ein Schmetterling vielleicht.

Und wenn die Kraft nicht reicht,
dann werden Wut und Trauer sich vereinen
und manchmal hört man dann auch Schmetterlinge
weinen, ganz oben in den Wolken – unerreicht.

Und wenn die Kraft nicht reicht,
dann wird dein Lachen nun in unsren Herzen leben
und immer, wenn die Schmetterlinge schweben,
dann hat dein Lächeln uns im Hier erreicht.

Und nun flieg, Schmetterling, flieg…

Elke Dorothea Hagen

Sonntag, 28. März 2010

Immer



Immer
dort wo Kinder sterben
werden die leisesten Dinge heimatlos.
Der Schmerzensmantel der Abendröte
darin die dunkle Seele der Amsel
die Nacht heranklagt -
kleine Winde über zitternde Gräser hinwehend
die Trümmer des Lichtes verlöschend
und Sterben säend -

Immer
dort wo Kinder sterben
verbrennen die Feuergesichter
der Nacht, einsam in ihrem Geheimnis -
Und wer weiß von den Wegweisern
die der Tod ausschickt:
Geruch des Lebensbaumes,
Hahnenschrei der den Tag verkürzt
Zauberuhr vom Grauen des Herbstes
in die Kinderstuben hinein verwunschen -
Spülen der Wasser an die Ufer des Dunkels
rauschender, ziehender Schlaf der Zeit -

Immer
dort wo Kinder sterben
verhängen sich die Spiegel der Puppenhäuser
mit einem Hauch,
sehen nicht mehr den Tanz der Fingerliliputaner
in Kinderblutatlas gekleidet;
Tanz der stille steht
wie eine im Fernglas
mondentrückte Welt.

Immer
dort wo Kinder sterben
werden Stein und Stern
und so viele Träume heimatlos.

Nelly Sachs

Foto: Grabmal auf dem Friedhof San Michele
Venedig, 2008

Samstag, 27. März 2010

Now the stars are my friends


Now the stars are my friends.
I see you twinkling, waving
from far away
and my heart is filled with joy!
On this day I have found my star
next to yours.
From my garden
I am sending you
blue flowers
to encircle our faces -
the way I painted them
when we were still living
on that planet Earth.

Rainer von Harnack für seinen Sohn Mateo

Jetzt sind die Sterne meine Freunde.
Ich sehe Dich funkelnd, winkend
von fern,
und mein Herz ist voller Freude!
An diesem Tag
habe ich meinen Stern gefunden
neben Deinem.
Aus meinem Garten
sende ich Dir
blaue Blumen,
damit sie unsere Gesichter umgeben -
so, wie ich sie gemalt habe,
als wir noch lebten
auf jenem Planeten Erde.

Freitag, 26. März 2010

Dort oben...



„Dort oben werden wir gehen, du und ich;
die Milchstraße entlang werden wir gehen, du und ich;
auf dem Blumenpfad werden wir gehen, du und ich;
wir werden Blumen pflücken auf unserem Weg, du und ich“.

Wintu Indianer

Sag immer wieder...


XXI

Sag immer wieder und noch einmal sag,
daß du mich liebst. Obwohl dies Wort vielleicht,
so wiederholt, dem Lied des Kuckucks gleicht
wie du's empfandest: über Tal und Hag

und Feld und Abhang, beinah allgemein
und überall, mit jedem Frühling tönend.
Geliebter, da im Dunkel redet höhnend
ein Zweifelgeist mich an; ich möchte schrein:

»Sag wieder, daß du liebst.« Wer ist denn bang,
daß zu viel Sterne werden: ihrem Gang
sind Himmel da. Und wenn sich Blumen mehren,

erweitert sich das Jahr. Laß wiederkehren
den Kehrreim deiner Liebe. Doch entzieh
mir ihre Stille nicht. Bewahrst du sie?

Elisabeth Barrett-Browning
Sonnette

Donnerstag, 25. März 2010

Besuch bei Florian

Endlich konnte ich bei meinem Besuch auf dem Friedhof in der Sonne sitzen; es ist ein Ort, der auch "Heimat" für mich bedeutet; ein Ort, an dem ich meine Wurzeln finde, an dem ich spüre, wo sich Himmel und Erde verbinden und die kahlen Äste der Bäume sich im kleinen Teich spiegeln.
Wie gut, dass eine Bank dort steht, auf der ich ausruhen kann, um all meine Gedanken mit Florian zu teilen. Dort kann ich etwas für ihn tun. Hoffnung pflanzen, eine Kerze anzünden, Augenblicke sammeln. Raum und Zeit für einen Moment überbrücken.
Meine Seele mit Florians verschmelzen lassen...