Dienstag, 9. März 2021

Abend im März



Ich trete in die Türe ein,
Der Mond war vor mir dort.
Ach Mond, du sollst nicht bei mir sein!
Er schweigt und geht nicht fort.
Er wohnt in meiner Stube drin
Seit gestern, als ich kam.
Ich seh ihn, weil ich traurig bin,
Und kenn ihn nur im Gram.
Ich zünde keine Lampe an,
Ich setz mich in sein Licht.
Durchs Fenster blick ich dann und wann,
Der Mond erkennt mich nicht.
So ess ich einen goldnen Fisch,
Gieß Wasser mir ins Glas,
Wie eine Wiese ist der Tisch,
Im Mondlicht wächst das Gras.
Jetzt wird er bald verfinstert sein,
Wohl gegen Ende März.
Und sinnlos fällt das Wort mir ein:
"Er ist der Nacht ihr Herz."
Er ist so blind, er ist so taub,
Ihn kümmern Tränen nicht.
Er schwankt im Wind, er hängt im Laub,
Ach mit demselben Licht. 
 
 
Günter Eich
 
Bild: Pinterest

 

Sonntag, 7. März 2021

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
 

 Mascha Kaléko

Mittwoch, 3. März 2021

Wolkenschatten / Für Peter



Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder,
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen,
Wollt' es halten, mußt' es schwimmen lassen.

 Detlev Liliencron

Sonntag, 28. Februar 2021

Wenn du ein Schiff bauen willst

 

 
Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

- Antoine de Saint-Exupéry



 

Montag, 22. Februar 2021

Ich lege mich hin

 


Ich lege mich hin,
ich esse nicht und ich schlafe nicht,
ich gebe meinen Blumen
kein Wasser.
Es lohnt nicht den Finger zu heben.
Ich erwarte nichts.

Deine Stimme, die mich umarmt hat,
es ist viele Tage her,
ich habe jeden Tag
ein kleines Stück von ihr gegessen,
ich habe viele Tage
von ihr gelebt.
Bescheiden wie die Tiere der Armen
die am Wegrand
die schütteren Halme zupfen
und denen nichts gestreut wird.

So wenig, so viel
wie die Stimme,
die mich in den Arm nimmt,
musst du mir lassen.
Ich atme nicht
ohne die Stimme.

Hilde Domin

Montag, 15. Februar 2021

Die Mutigen

 Die Mutigen wissen
Daß sie nicht auferstehen
Daß kein Fleisch um sie wächst
Am jüngsten Morgen
Daß sie nichts mehr erinnern
Niemandem wiederbegegnen
Daß nichts ihrer wartet
Keine Seligkeit
Keine Folter
Ich
Bin nicht mutig.

Marie Luise Kaschnitz


Im Gedenken und in Erinnerung an Peter zu seinem Geburtstag im Licht💗

Und in Gedanken an Euch, lieber Irene, lieber Bernd und liebe Judith 💔

Eure Gabi


 

Sonntag, 7. Februar 2021

Trauer an Wintertagen


Eine Stille zwischen den Zweigen,
feiner Schnee der auf Wälder längst fällt.
Ein silbern gesponnenes Schweigen
erwächst zwischen mir und der Welt.

Eine Stille zwischen den Weiden
und mein Herz wie gefrorenes Laub,
in der Stille zwischen uns Beiden,
zerbricht zu kristallklarem Staub.

Und aus Nächten, die schmerzlich verhallen,
aus dem Schnee der im Herzen mir lag,
steigen Tränen still auf und sie fallen
liebesschwer auf dein schweigendes Grab.

In der Stille der schneekalten Wälder,
breitest weit deine Flügel du aus,
fliegst zurück über goldene Felder.
Und ich fühle es, du bist Zuhaus.

Jaqueline Conrad

 🌟🌟🌟🌟 

 

Liebe Esther,  lieber Rainer, lieber Marcel, 

heute, an Daniels 32igsten Geburtstag im Licht sind meine Gedanken bei Euch. Ich weiß, wie sehr er Euch fehlt, der Sohn, der Bruder und gerade diese Tage sind besonders schmerzlich. Nie mehr ist die Familie vollkommen, immer klafft da eine Lücke!

Ich wünsche Euch an diesem Tag, dass Ihr niemals den Glauben verliert, den Glauben ans Wiedersehen, in der anderen Welt; den Glauben, dass Daniel immer bei Euch ist... immer 💗!

Am Ende Eurer Kraft steht immer die Liebe und fängt Euch auf.

In tiefer Verbundenheit 

Eure Gabriele mit Hans


P.S. Das Foto von Daniels letzter Ruhestätte, das Du mir gestern geschickt hast, liebe Esther, möchte ich heute hier teilen - es drückt so viel Liebe aus! 💔💗

Das berührende Gedicht fand ich vor 2 Tagen "zufällig" im Netz und bat Jaqueline, es heute für Euch teilen zu dürfen! Ich glaube nicht an Zufälle.  Danke Jaqueline!

Sonntag, 31. Januar 2021

Die Natur lädt ein


 
Die Natur lädt ein, mit ihr gemeinsam unsere inneren Herzenswege 
und Plätze zu finden.
 
Rituale-
Plätze der Kraft
Energien der Weite
Kräfte des Meeres
die Weite
Spiritualität
Achtsamkeit
Liebe erfahren
Atmen können
Farben
Schönheit
eintauchen in das Unbekannte des eigenen ICH´s
Veränderung im Selbst wahrnehmen
Raum schaffen, um nach innen zu hören
Stille aufnehmen

 

Foto: Connemara 2020 

Einer meiner Lieblingsplätze hoch über dem Meer

Montag, 25. Januar 2021

gerade gestern

 
gerade gestern dachte ich
wie schwer doch alles sei
dabei ist alles nur ein wimpernschlag
nur ein wimpernschlag
 
 
Otto Lenk