Dienstag, 8. Juni 2010

Danke!



Unsere toten Kinder
wir wissen nicht wo
reichen sich die Hand
auf der langen Reise
die auch unsere Reise
sein wird
und unsere Hoffnung trägt
wir sehen uns wieder
im Gänzlich Anderen!

Rainer v. Harnack

Foto: Gartenblicke - auch im Gedenken an Mateo, lieber Rainer!

Danke!



Trauerndes Mutterherz

Ich trage dich und wiege dich
in meinen Gedanken
in meinen Erinnerungen

wiege mich mit dir
in all meiner Sehnsucht
in all meinen Tränen

bade ich dich und mich
hülle dich ein in meine Liebe
spüre deine Liebe um mich

die Arme meines Herzens
halten dich geborgen
ich trage dich und wiege dich
*************************UH

Einer von zweien

http://www.youtube.com/watch?v=hRaoAtOB5y8&feature=related

In meinem Gedächtnis wohnst du
Mein Leib ist dein Haus
Mir aus den Augen siehst du den Frühling
Noch immer die rote Kastanie.
Auf dem Fluss jedes Tages
Kommst du geschwommen
Steigst mit jeder Sonne
Mir über den Hügel.
Hände hab ich
Zehn Finger und flinke Füße
Näher kommst du
Ich fasse dich nicht.
Ihr sollt in mir sehen
Einen von zweien
Und hinter meinen Worten
Unruhig horchen
Auf die andere Stimme.
Ihr sollt sehen wie meine Wunde
Zu glühen beginnt
Wenn die Welle kommt
Der Muschelgeruch der Häfen
Wenn im Buchenwald unsichtbar
Maisingen die Vögel.

Marie Luise Kaschnitz

Ohne dich



Ohne dich
Nicht nichts ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht mehr viel

Erich Fried

Foto: Florian am 13.6.2000, dem 80igsten Geburtstag meiner Mutter.
Samstag werde ich zu ihr fahren - sie wird 90. Florian starb kurz nach dem Fest und
Eimear hatte dies blaue Hemd, das er so gerne trug, für seine letzte Reise ausgesucht.. schwer, diese Fotos zu ertragen!

Montag, 7. Juni 2010

Was war es...

Was war es - jenes Brennen, jenes Staunen,
jenes ununterbrochene Nichtanderskönnen,
jenes süße, jenes tiefe, jenes strahlende
Tränenaufsteigenfühlen? Was war es?

R.M.Rilke

In diesen Tagen


http://www.youtube.com/watch?v=Qx9br5ISRpo

Wenn ich in diesen Tagen durch den Garten gehe, der so zart erblüht ist, dann höre ich dein Lachen, Florian, dann sehe ich dich dort stehen, aufrecht und schön und - immer in deiner Nähe Eimear. Ich liebte es, euch einfach anzusehen, dich, meinen erwachsen gewordenen Sohn und deine irische "Prinzessin", wie du sie manchmal nanntest - ein Paar mit einer großen Ausstrahlung. Ich höre euch mit einander sprechen. Längst hattest du den irischen Akzent angenommen. Ich liebte deine tiefe Stimme und dein helles Lachen, dem man sich nicht entziehen konnte.
Ich höre euch, mitten in der Nacht am Wasser sitzen - und bin besorgt, ihr könntet schwimmen und euch etwas zustoßen... "Night swimming".. Dieses Lied erinnert an jene fernen Tage...

Wenn ich in diesen Tagen durch den Garten gehe, dann blüht der Mohn - so wunderschön, weil vergänglich?

Samstag, 5. Juni 2010

Schwanenkönig


Es neigte ein Schwanenkönig
seinen Hals auf das Wasser hinab.
Sein Gefieder war weiß wie am ersten Tag,
rein wie Sirenenton.
Und im Glitzern der Morgensonne
sieht er in den Spiegel der Wellen hinein,
und mit brechenden Augen weiß er:
Das wird sein Abschied sein.
Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.
Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.
Und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.

Und es begann der Schwanenkönig
zu singen sein erstes Lied,
unter der Trauerweide,
wo er sein Leben geliebt.
Und er singt in den schönsten Tönen,
die man je auf Erden gehört,
von der Schönheit dieser Erde,
die ihn unsterblich betört.
Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.
Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.
Und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.

Und es singt der Schwanenkönig
seinen ganzen letzten Tag,
bis sich die Abendsonne
still ins Dunkelrot flieht.
Lautlos die Trauerweide
senkt ihre Blätter wie Lanzen hinab.
Leiser und leiser die Töne,
bis das letzte Licht im Gesang verglüht.
Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.
Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.
Und sie neigen sich tief hinab, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.

NN

Bild: Hopper

Freitag, 4. Juni 2010

Zufall...


"Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursachen existieren."
(Voltaire)...
Danke, liebe Rada!
Foto: Eines der berührendsten Fotos aus den letzten Tagen... Florian - als sei er "wissend"...
Ein eingefangener Moment der Nachdenklichkeit und Trauer?

Schicksalstür



Es ist eine gnädige Einrichtung
jedes gnadenlosen Schicksals
dass unsere Zukunft offenbar
hinter fest verschlossenen
Toren liegt.
Weil uns allein
die Ungewissheit
dieses Lebens
die unzerstörbare Kraft
des Augenblicks gibt.

©Ute Leser
Danke, liebe Ute. Ja, hätten wir in diesen Tagen "gewußt" - was hätten wir getan? Hätten wir das Schicksal aufhalten können? Wohl kaum....Niemals aber hätten wir diese glücklichen unbeschwerten Tage erlebt!

Heute vor 10 Jahren....


Nimm mir das Brot weg, wenn Du
es willst, nimm mir die Luft weg,
aber lass mir dein Lachen

Pablo Neruda

Heute vor 10 Jahren...Alleine, diesen Satz zu schreiben, löst Ungläubigkeit in mir aus..
Heute vor 10 Jahren:

Alles hier war auf Euren Besuch vorbereitet.. Das kleine Haus im Garten geputzt, Blumen auf dem Tisch und sogar ein Piccolo im Kühlschrank (der übrigens noch heute dort liegt.. ) Ihr solltet Euch wohl fühlen, ausruhen, es gut haben bei uns.
Wir hatten uns seit Februar nicht gesehen.


Ich sehe Euch beide nebeneinander auf dem Flughafen stehen, Ihr wart etwas früher angekommen. Neben Euch ein großer Koffer und Eimear an einer Krücke. Ich erinnere mich, daß ich zuerst auf sie zuging und sie in meine Arme schloß, was mich dann später irritierte.
Eimear sah so erwachsen aus, sie trug einen hellen Mantel und helle Hosen – ich weiß nicht, was Du anhattest, ich weiß es leider nicht mehr.
Du warst gereift, Du warst erwachsener geworden, männlicher. Ich spürte, daß ich mehr körperliche Distanz zu Dir hielt, eine gewisse Scheu hatte, Dich so, wie ich es früher immer getan habe, zu berühren, zu streicheln, zu küssen, in die Arme zu nehmen.. Du gehörtest jetzt einfach mehr zu Eimear. Dies ist ein seltsamer Gedanke, aber ich glaube, ich habe es so empfunden. Ich mußte mich zurücknehmen und ich tat es auch. Dennoch spürte ich diese Liebe und diese Freude über Dich und über Euch beide. Ihr wart zusammen auch reifer und sicherer geworden. Vor allem Du strömtest eine große Ruhe und Sicherheit aus. Du hattest Dein Leben im Griff, die Beziehung hatte sich weiterentwickelt. Als ich Dich danach fragte, meintest Du.....“Sie ist gut, jetzt ist sie eigentlich erst richtig gut.“...

Ich will die Tage nicht vorwegnehmen – ich möchte eine Brücke schlagen zwischen den Erinnerungen an damals und dem, was heute unser Leben ist, was diese Erinnerungen in mir auslösen.

Ich nähere mich nicht nur den inneren Bildern aus diesen Tagen an, sondern auch den letzten Fotos von Dir, die ich jahrelang nicht in die Hand nehmen konnte.. Auch heute ist es schwer..
die letzten Fotos von Dir!