Mittwoch, 6. Juli 2011

Trauerspuren


Und selbst
im gebrochenen Licht
verwaister Ruinen
fand ich noch ihre
ungelöschten Tränen.
Als sei die Zeit hier
versteinert stehen geblieben
als wollte sie die Schicksalsuhren
schweigend rückwärts lesen.
Hat Trauer überhaupt
ein Gefühl für Zeit?
Kann Zukunft Tränen aufheben?
Oder ist es allein
unser sehnsüchtiger Blick
in die Vergangenheit
der ein gegenwärtiges Gefühl
für unsterbliche Räume hat
und im Herzen
niemals aufhört
zu sein?

Ute Leser

Auch für diesen berührenden Text und das Foto herzlichen Dank, Ute!

Dienstag, 5. Juli 2011

Und manchmal


Wenn unsere Sehnsucht
lebendige Bilder
der Erinnerung malt
verschmelzen Zeit und Raum
zu einer geträumten Ewigkeit.
Und manchmal
wenn unser Gestern
kein Morgen mehr hat
nährt die Erinnerung
den Traum.


Ute Leser

Danke, liebe Ute!

Montag, 4. Juli 2011

Für Ulf


Auf Vogelschwingen fliege ich in längst vergangne Zeiten.
getragen voller Zärtlichkeit, enthüllend tiefe Weiten.
Manch Augenblicke stehen still im Lauschen schöner Träume,
verlierend finde ich mich dort weit über Zeit und Räume...


Für Ulf zu seinem Geburts-Tag und für Dich liebe Uschi, in großer Verbundenheit

Sonntag, 3. Juli 2011

Der Schauende


Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.


Rainer Maria Rilke, 21.1.1901, Berlin-Schmargendorf
Foto: Christiane Gérard / Föhr

Samstag, 2. Juli 2011

Danke!


Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.
Was wüssten wir je
ohne sie?

Hilde Domin

Dank Euch allen, die Ihr mich durch diese schweren Tage begleitet habt!
Danke für die Kerzen, die Briefe, danke für alles!

Nun hat das Jahr Zwölf begonnen
Und alles bleibt wie es ist
Und doch
Ist alles
Immer wieder anders

Gabriele
Mit Florian im Licht

Endgültige Reise


... Und ich werde gehen. Die Vögel werden weitersingen;
mein Garten verbleibt, mit seinem grünen Baum
und seinem weißen Brunnen.

Jeden Nachmittag ein blauer, gelassener Himmel;
jeden Nachmittag, wie heute, das Läuten
der Glocken im Glockenturm.

Die mich liebten werden sterben;
das Dorf wird sich in jedem Jahr erneuern;
und in jener Ecke meines blühenden und geweißelten Gartens
irrt nostalgisch mein Geist...

Und ich werde gehen; allein werde ich sein, ohne Heim, ohne
grünen Baum, ohne weißen Brunnen,
ohne blauen, gelassenen Himmel...
Die Vögel werden weitersingen.

Juan Ramón Jiménez

Good night sweet prince

http://www.youtube.com/watch?v=FDw3CyOmj20&feature=related

              
  Good night, sweet prince,
           and flights of angels sing Thee to Thy rest

     William Shakespeare


Dreams


Zu später Stunde nach einem schweren Tag:
"Dreams are really always a previous companionship
with the dead that rises up through our feeling -
coming from our need to be near them -
The moment of waking vonveys to us
a message from the dead,"

Rudolf Steiner

Vor einigen Tagen wurde ich wach mit dem Satz in meinem Kopf:

...."Meine Herzkammer spinnt goldene Fäden".... 

Was wollte Florian mir sagen?  Ich hatte ein geborgenes, liebevolles Gefühl in mir. Gibt es eine Sprache zwischen uns? 

Freitag, 1. Juli 2011

Im Gedenken...


 "Ich flog, natürlich, flog ich
Große Flügel verlieh mir das Glück,
Zuwenig Zeit hat das Leben gegeben,
Unterbrach diesen wundervollen Ritt ..."

71 Menschen fanden in der Nacht vom 1. auf 2. Juli 2003 den Tod im Himmel über Überlingen und Owingen am Bodensee, davon 49 Kinder!


Dascha Koslowa war eines der Mädchen, das bei diesem Absturz ums Leben kam  und dieses Gedicht  schrieb sie am 8. April 2002!  Es ist nun in ihren Grabstein graviert.

Auch Ihnen gilt heute mein Gedenken!

4017 Tage


4017 Tage
574 Wochen
134 Monate
11 Jahre

ohne Dich, Florian, und doch immer mit Dir!

In deiner Schläfe
Starb ein Paradies
(Else Lasker-Schüler)


Als du gingst
blieb ich zurück
wie die Schatten des Sommerhimmels.
Die goldenen Seen spiegeln mein Bild nicht mehr.

Die unendliche Welt
ist nur noch der Saum des Gewandes
das trauernd von meinen Schultern fällt.

Paula Ludwig

http://www.youtube.com/watch?v=oRdDnpkR3AQ&feature=relatedSong for Ireland
Kein Lied gehört so sehr zu Florian - und zu seinem Abschied - und zu meiner Trauer!