Dienstag, 12. August 2014

In meinem Herzen


In meinem Herzen
Strahlt die Kraft der Sonne

In meiner Seele
Wirkt die Wärme der Welt

Ich will atmen
Die Kraft der Sonne

Ich will fühlen 
Die Wärme der Welt.

Sonnenkraft erfüllt mich
Wärme der Welt durchdringt mich.

Rudolf Steiner


Ein schöner Text von Steiner, der einem allerdings - was die "Wärme der Welt" betrifft - im Moment ein wenig im Halse stecken bleibt...  Es ist eher kalt geworden...

Montag, 11. August 2014

Zwischen Ebbe und Flut




Zwischen Ebbe und Flut
die Jahre im Auf und Ab
die Tage und Stunden
im Steigen im Fallen
Schübe nach vorn
und Schübe zurück
die Flut die Springflut
die Sturmflut die Ebbe
du verharrst
du gehst suchend durch Sand
du setzt neu dein Boot aus
ins ansteigende Meer
hisst die Segel im Wind
machst klar Schiff
weiterzukommenan ersehnte Küsten

Annemarie Schnitt

Samstag, 9. August 2014

Aufbruch ins Gestern


Wie elektrisiert stehst du
unter dem Himmel der Kindkeit
unter runden Toren
unter Palmen und Bambus
flussauf- flussabwärts
ziehen Kähne dahin
aus dem Gestern ins Heute

findest unter Bananenstauden
Scherben von Krügen
aus Töpferhand
du sammelst sie ein
trägst sie beimwärts
als Bruchstucke einer
heilen Erinnerung


Annemarie Schnitt



Freitag, 8. August 2014

Blüten-Träume




Blüten-Träume
gerade träumt ich den Stiefmütterchentraum
schon überfällt mich der Duft des Flieders
ich tanz durch den Tag mit den Tulpen
vertreibe Trübes mit Tausendschön
der Rosenstock reißt mich hoch ins Staunen
und zurück in zündendes Erinnern
Blüte um Blüte wie gebanntes Glück
Beim roten Mohn halt ich an mitten im Feld
auch die Herbstzeitlose wird wieder blühen
mich begleiten durch Wiesen
im Weitergehen

Annemarie Schnitt

Donnerstag, 7. August 2014

Der verlorene Stern


1. September 2014 
Der Stern Esmeralda ist verschwunden. Ihre beiden besten Freunde Schnuppe und Blinker begeben sich zusammen mit Herrn Vollmond, Frau Sonnenschein und Herrn Himmelzelt auf die Suche nach ihr. Ist Esmeralda vielleicht schon von den Schwarzen Löchern entführt worden oder werden ihre Freunde sie finden?

Kathrin ist die Mutter von Lilli, einem Sternenkind.  Beide lernte ich während Kathrins Schwangerschaft mit Lilli kennen - und ihr Schicksal hat mich nie mehr los gelassen.
Heute habe ich eine Art Patenschaft für Lillis Grab im "Garten der Sternenkinder", seit Kathrin in Barcelona lebt.

Ich habe Euch bereits das zweite Buch von Kathrin hier im Blog ans Herz gelegt, das

im Oktober erscheinen wird:


Lilium Rubellum
 
Wer ein Kind verliert, wird Einsamkeit neu kennenlernen. Weil niemand gerne über dieses Kind spricht. Keiner stellt sich freiwillig diesem Schmerz. In einer Gesellschaft,die von ewiger Jugend träumt und in der Krankheit und Tod als mit allen Mitteln zuvermeidendes Unglück gelten, ist das Sterben von Kindern bis heute ein Tabu. »LiliumRubellum« begleitet eine Frau auf diesem Weg: Eine ungewollte Schwangerschaft. Die

Diagnose, nicht mit dem Leben vereinbar. Der Abschied. In dem auf Tatsachen basierendenRoman, der allen Genrezuweisungen entkommt, hat die Autorin eine enormelyrische Kraft gebündelt. Diese vereint sie geschickt mit Informationen und Erfahrungen,die sie die letzten Jahre durch Betreuung betroffener Eltern und Interviews mit Fachpersonal gesammelt hat. Die zentrale Frage nach dem Wert des Lebens in unserer

Zeit, wird hier radikal vor Augen geführt.

Dienstag, 5. August 2014

Montag, 4. August 2014

Junilied


Meine Hand streicht übers Korn;
Silberblondes Rauschen weht:
Läute, läute, liebe Glocke,
Die in meinem Herzen geht.
Jauchze jedem frohen Tag
Wie der Vogelruf im Ried,
Decke alle heißen Tränen
Zu mit einem dunklen Lied.
All mein Tun in schönstem Klang,
Der sich liebem Freunde bringt -
Läute, läute, goldne Glocke,
Die mit meinem Leben schwingt!

Gertrud Kolmar
(aus: G.K.: In memoriam 1918, Zyklus I. In: G.K.: Frühe Gedichte 1917-1922,
hrsg. von Johanna Woltmann-Zeitler, 1980)

Foto: BIrgit Botschen-Mehler

Samstag, 2. August 2014

Sonnet 18 Shakespeare


Für uns ist es "Florians Sonnet" - Es stand am Beginn seiner Liebe zu Eimear

Soll ich vergleichen einem Sommertage
Dich der du lieblicher und milder bist?
Des Maien teure Knospen drehn im Schlage
des Sturms und allzukurz ist Sommers Frist.


Des Himmels Aug scheint manchmal bis zum brennen ·
Trägt goldne Farbe die sich oft verliert ·
Jed Schön will sich vom Schönen manchmal trennen
Durch Zufall oder Wechsels Lauf entziert.

Doch soll dein ewiger Sommer nie ermatten:
Dein Schönes sei vor dem Verlust gefeit.
Nie prahle Tod · du gingst in seinem Schatten..
In ewigen Reimen ragst du in die Zeit.

Solang als Menschen atmen · Augen sehn
Wird dies und du der darin lebt bestehn.


William Shakespeare
Sonett 18
 

Freitag, 1. August 2014

Die Sinnende



Wenn ich tot bin, wird mein Name schweben
Eine kleine Weile ob der Welt.
Wenn ich tot bin, mag es mich noch geben
Irgendwo an Zäunen hinterm Feld.
Doch ich werde bald verlorengehn,
Wie das Wasser fließt aus narbigem Krug,
Wie geheim verwirkte Gabe der Feen
Und ein Wölkchen Rauch am rasenden Zug.
Wenn ich tot bin, sinken Herz und Lende,
Weicht, was mich gehalten und bewegt,
Und allein die offnen, stillen Hände
Sind, ein Fremdes, neben mich gelegt.
Und um meine Stirn wirds sein
Wie vor Tag, wenn ein Höhlenmund Sterne fängt
Und aus Lichtgewölbs Schattenstein
Graues Tuch die riesigen Falten hängt.
Wenn ich sterbe, will ich einmal rasten,
Mein Gesicht nach innen drehn
Und es schließen wie den Bilderkasten,
Wenn das Kind zuviel gesehn,
Und dann schlafen gut und dicht,
Da ich zittrig noch hingestellt,
Was ich war: ein wächsernes Licht
Für das Wachen zur zweiten Welt.

Gertrud Kolmar
(aus G.K.: Die Frau und die Tiere, 1938)
Bild: Mauritio Motariello