Montag, 23. August 2010

Niemand, nicht einmal der Regen

irgendwo, wo ich noch nie gewesen,
wohl jenseits jeglicher erfahrung,
ist die stille deiner augen:
in deiner zartesten geste sind dinge, die mich umfassen
oder welche ich nicht zu berühren vermag, weil sie zu nah
sind

mühelos öffnet mich der flüchtigste deiner blicke,
wenn ich mich auch wie finger geschlossen habe,
so öffnest du mich doch stets blatt für blatt, wie der frühling
(mit verständiger, geheimnisvoller berührung) seine erste
rose

wünschest du aber, mich zu verschließen, so schließen
sich plötzlich auf wundersame weise ich und mein leben,
als erträumte das herz dieser blume
des schneefalls leises herniedersinken

nichts auf dieser welt kommt der macht
deiner eindringlichen zartheit gleich,
deren tönung mich mit den farben ihrer herkunft lockt,
tod und ewigkeit mit jedem atemzug verströmend

(ich weiß nicht, was an dir sich schließt
und öffnet; nur etwas ist in mir, als
fände ich die antwort in der stimme deiner augen, tiefer noch
als rosen)
niemand, nicht einmal der regen, hat solch kleine hände.

[e. e. cummings]
Mit diesem schönen Text verabschiede ich mich nach Irland!
Seid behütet und beschützt!
Eure Gabriele

Sonntag, 22. August 2010

Eines Morgens...

Eines Morgens wachst du nicht mehr auf.

Die Vögel singen, wie sie gestern sangen.

Nichts ändert diesen neuen Tagesablauf

- Nur du bist fortgegangen -

Du bist frei und meine Tränen wünschen dir Glück


Johann Wolfgang von Goethe

Samstag, 21. August 2010

Grateful



http://www.youtube.com/watch?v=lZBhm2KBMxA


Von Matthias Heine


Sein Abschied vom Leben dauerte lange, und er fand vor aller Augen statt. Zwar ging auch Christoph Schlingensief nicht so weit, bei seiner Krebsoperation, in der ihm Anfang 2008 ein Lungenflügel entfernt wurde, Kameras zuzulassen, und auch bei seinem Tod gestern war nur seine Frau anwesend. Doch dazwischen hat dieser radikal persönliche Künstler fast zweieinhalb Jahre viele Details seiner Krankheit öffentlich gemacht. So benutzte er verzweifelt klingende Tonbandaufnahmen direkt vom Krankenbett in seinen Inszenierungen. Und er schrieb das Bekenntnisbuch „So schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein“, das zum Bestseller wurde.

Ausgerechnet die schönste und berührendste Abschiedsszene fand aber ironischerweise fast im Geheimen statt: Im Dezember 2008 diskutierte Schlingensief im Münchener Haus der Kunst vor ein paar Hundert Leuten mit Patti Smith über Gott. Nur wenige Medien berichteten darüber. Zum Schluss der Veranstaltung, in der der von der Krankheit Gezeichnete über seinen „Fight“ mit Jesus berichtet hatte, sang die ziemlich berührte Grand Old Lady des Punk für ihren Gesprächspartner das Lied „Grateful“, in dem es heißt: „Stirb, kleiner Spatz, und erwache singend!“ Es war atemberaubend kitschig, und es war großartig.


R.I.P.



Ich bin bestürzt über den Tod von Christoph Schlingensief und traurig.
Wie sehr hat uns sein Buch im vergangenen Jahr berührt und bewegt. Mit ihm verlieren wir einen großen Künstler, einen überaus kreativen Menschen. Er wollte so gerne leben, war voller Ideen und Projekte. Ein unersetzlicher Verlust!
Mein Mitgefühl gilt seiner Frau Aino und seiner Familie.

Aus einem Interview:

Wo sehen Sie sich zurzeit zwischen Himmel, Erde und Hölle?
Manchmal denke ich, vielleicht habe ich jetzt sogar weniger Angst vor dem Sterben. Bei allen Schilderungen, die ich gelesen habe, habe ich schon ein paarmal gedacht: Vielleicht ist das ja sogar ganz interessant. Ich würde zum Beispiel den Buñuel gerne mal treffen. Oder dem Alexander von Humboldt über die Schulter schauen. Da oben sind ja zumindest Millionen von Menschen (lacht). Dann lerne ich die auch mal kennen.

Ist das Ihre Vorstellung vom Jenseits?
Eigentlich habe ich im Augenblick gar keine Vorstellung, und ich will auch keine haben. Ich glaube auch nicht, dass das für mich als Person irgendeine Bedeutung hat. Sondern es wird irgendwann einmal einfach ein Auflösen in Energie sein, und dann wird die Energie schon irgendwo bleiben. Es geht nichts verloren. Davon gehe ich aus.

Möge er dort allen begegnen, die er hier nicht mehr treffen konnte! Der Himmel ist um eine Seele reicher - wir um einen Menschen ärmer!

Hoffende


...da sitzt jemand ganz still
und verändert die Welt.
Da rast einer umher und trägt dazu bei,
dass alles so bleibt, wie es ist.

Die Treue zur Hoffnung ist nicht sichtbar,
sogar die Hoffnung selbst
ist oft nicht sichtbar,
weil sie so unscheinbar ist.
Und doch wird
die ganze Welt
von dem Hoffenden
getragen.

Ulrich Schaffer

Danke, von Herzen, liebe Veronika! Bis bald - versprochen :)

Farewell

Nirgendwo bin ich so glücklich...wie in Irland!
Donegal!



Dirlaught, 7.9.2006

Gerade kommen wir aus Lettermackawards, wo ich im winzigen Postamt auf der Tankstelle meine letzten Ansichtskarten aufgeben wollte.

Die Post besteht aus einem winzigen Raum, in dem zur Rechten ein richtiger Schalter steht, hinter dem ein alter Mann sitzt, der mich herzlich begrüßt.
Ich bitte um 7 Briefmarken. „Is it for Ireland?“ – „No, for Germany“.
Und er fragt weiter, warum ich nicht 10 Marken nehmen könne, die gäbe es nämlich in einem Briefchen. Ich willige ein und beginne, Karte für Karte zu frankieren und schiebe sie ihm zu. Er dreht jede Karte um und meint, es seien schöne Ansicht von Irland und dann stößt er auf eine Karte mit einem Gedicht von W.B. Yeats. Er nimmt sie aufmerksam in die Hand und dann rezitiert er dieses Gedicht – und ich höre seiner schönen Stimme zu und es entsteht einer dieser magischen kleinen Momente, die wir hier immer wieder erleben - zauberhaft schön.

„Down by the Sally gardens
My love and I did meet;
She passed the sally gardens
With little snow white feet.
She bid me take love easy,
As the leaves grow on the tree:
But I, being young and foolish
With her would not agree”….


Morgen geht es weiter nach Nordirland – wir verlassen also die Republik und mir ist richtig schwer ums Herz. Ich dachte nicht, mich hier noch einmal verlieben zu können, aber es ist geschehen und die neue Liebe heisst Donegal!

Hier endet dieses Tagebuch... und in 3 Tagen werden wir zurück sein in Irland - endlich!

Freitag, 20. August 2010

It could be worse

Herzsteine Austern, frisch aus dem Meer
Kunst im Sand ...." das wär's doch... "


Dirlaught, 6.9.2006

Es ist Vollmond. Er ließ sich durch einen Wolkenspalt sehen – um gleich wieder zu verschwinden.

Hans-Jürgen hat sich in die Sauna, die neben dem Haus im Garten steht, mit einem Buch zurückgezogen; ich sitze am großen Tisch im Cottage und schaue in die irische Nacht. Vor Florians Foto brennt eine Licht, seine warmen, milden Augen scheinen mir beim Schreiben zuzusehen.

„Geliebter Florian, wie sehr du mir fehlst. Oft sind meine Wangen nass, empfinde ich ein solches Verlangen, dich hier haben zu wollen, mit dir diese wundervollen Tage teilen zu können“… Es ist ein Schmerz, der nie enden wird, der nie enden soll!

I would love to liveLike a river flows,
Carried by the surprise
Of its own unfolding.


John O' Donohue

Es war nicht leicht, mich auf ein neues Stück Irland einzulassen – auf einen Landstrich, den wir früher mit Florian nicht bereist haben, über den wir aber sprachen und in unsere Planung aufgenommen hatten..Unsere Zeit reichte nicht aus. Es ist so schmerzlich, Neues zu sehen, zu entdecken; leichter, sich Landschaften und Orten zuzuwenden, die Florians Augen sahen.

Viele Friedhöfe haben wir besucht, an vielen Gräbern junger Menschen gestanden und immer entsteht dieses Entsetzen, die Unfassbarkeit.

Täglich begeistert uns Donegal auf Neue, wir sind angekommen!
Das Wetter spielt ganz gut mit; es ist unser unbeständiger Begleiter, an den man sich jedoch gewöhnen kann; keine Vohersage ist möglich und haben wir uns gerade auf Regen eingestellt, reißt es auf und die Sonne taucht alle um uns herum in ein wundervoll warmes, mildes Licht – unbeschreiblich diese Farben.

„O’ the rain, the wary, dreary rain
How it plashes on the window-sill


(Mangan)

Leider ist es eben auch umgekehrt: Unsere langen Strandspaziergänge, bei Sonne begonnen, enden öfter im Anorak und mit nassen Hosenbeinen.
Um so gemütlicher ist es dann im warmen Cottage, wo wir uns unter die dicken, schweren Bettdecken flüchten um – mit etwas Glück – wieder Sonne nach einem kurzen, erholsamen Schlaf zu finden!

Nie haben wir so schnelle Wetterwechsel erlebt, selten so dramatische Wolkenhimmel. Ein Schauspiel für sich.

Jedes Frühstück bietet ein anderes Bild, das das Wetter über der morgens leer gelaufenen Bucht inszeniert. Oft geht die Sonne auf der anderen Seite der Bucht auf den sanften Hügeln spazieren. Sie erleuchtet zunächst einen Teil des kargen grünen Hügels – um dann weiter zu ziehen und den soeben noch beschieinenen im Schatten zurück zu lassen, um den nächsten Flecken Erde anzustrahlen.
Wir folgen diesem Schauspiel mit unseren Blicken und wenn es sich am Abend
wiederholt, ist es, als küsse die Sonne die Natur zum Abschied, bevor sie sich zur Ruhe neigt.

Die spektakulären Sonnenuntergänge erleben wir in diesem Jahr nicht, so wir Irland überhaupt in „anderem Licht“ erleben.

Gestern war unser erster Schlechtwettertag in Donegal und Conn, der 76jährige Nachbar, der uns einen Besuch abstattet, da er gerne ein wenig Unterhaltung hat, meinte es „terrible“ – aber er versprach zugleich Besserung für den morgigen Tag. Vielleicht hat er einen Fernseher, vielleicht haben die Menschen hier die Fähigkeit, einen Wetterwechsel vorherzusagen… Unser Baromether jedenfalls, auf das wir täglich schauen, hinkt regelmäßig hinterher.

Unser Abend endete gestern in „Leo’s Tavern“ – einem der berühmtesten Pubs Irlands. Hier sangen ENYA, hier traten CLANNAD zum ersten Mal auf, bevor sie über Irlands Grenzen hinaus bekannt wurden. Hier ist täglich life music und wir werden von einem Ansturm von Teenies überrascht, die das Pub um 22 Uhr zu einem wahren Lautstärkeinferno machen… und wir wundern uns, woher hier – in the middle of nowhere – so viele junge Menschen kommen.. Einer der Reichtümer dieses Landes, vielleicht der wichtigste: unendlich viele junge Menschen!

Donnerstag, 19. August 2010

Miracles...



Our memories build a special bridge
When loved ones have to part
To help us feel we’re with them still
And soothe a grieving heart
They span the years and warm our lives
Preserving ties that bind
Our memories build a special bridge
And bring us peace of mind.

Diesen Text trägt ein Foto von Florian, das ich in Dublin - zusammen mit einer Rose, die ich aus dem Garten mitbringe - auf die Treppe legen werde..
Ob uns jemand öffnet? Jedes Jahr die bange Frage - und bisher haben wir Glück gehabt. Was die Menschen denken, wenn sie unsere Zeichen auf der Treppe finden?
Ob es sie stört, oder berührt?

Ich möchte Euch eine Passage aus meinem Irland-Tagebuch 2005 vorlesen:

Unser erster Gang, nachdem wir das B+B bezogen hatten, das in unmittelbarer Nähe des Platzes liegt, an dem Florian + Eimear wohnten, galt der Nr. 50 des Grosvenor Square
und während wir uns dem Haus näherten, überlegte ich, wie ich uns dieses Mal Einlass verschaffen könnte. Ich könnte sagen, wir seien mit der „landlady“ (wie die Eigentümerin hier genannt wird) verabredet. Von ihr hat Florian öfter erzählt. Sie kam einmal die Woche und zog die Miete bar von allen Mietern des Hauses ein und hatte so ständigen Kontakt mit ihnen.

Unterhalb der breiten Steintreppe, die zur Eingangstür führt (mir fiel auf, dass noch immer die
„5O“ nicht angebracht worden ist), unterhielten sich zwei Männer angeregt. Ich ging auf sie zu und fragte, ob einer von ihnen uns wohl die Tür öffnen könne. Der jüngere der beiden sah mich aufmerksam an und sagte: „You must be Florian mother“... und mein Herz setzte einen Moment aus. „Yes I am Florians Mom“ – „And I am the landlord“. Er drückte meine Hand und sagte mir, wie unendlich Leid es ihm und seiner Familie tat, als sie von Florians Tod erfuhren; sie alle hatten Florian sehr gemocht und Eimear habe ja noch eine lange Zeit in diesem Haus gelebt. Nun habe er keinen Kontakt mehr zu ihr. „You are late this year“, meinte er dann, während er die Tür aufschloss – und wieder war ich berührt.

Man hat die Blumen also zur Kenntnis genommen, die im Jahr Zwei und Jahr Drei auf den Treppenabsatz gelegt haben, auf dem Florian gestorben ist. Und man hat den schönen Strauß roter Rosen mit Florian in Verbindung gebracht, den eine liebe verwaiste Mutter für uns im vergangenen Jahr vor dem Haus auf die Steintreppe gelegt hat. Man erinnert sich an Florian; er wusste sofort seinen Namen, musste nicht einmal nachdenken und er „wusste“ sofort, dass ich Florians Mutter bin. Welch ein Geschenk, welch eine Gnade, solch einen Moment erleben zu dürfen!
Er verabschiedete sich, noch einmal nach Eimear fragend, die in diesen Tagen in Dublin sein müsste, ohne aber an diesen Ort zurückzukehren. Dann ließ er uns mit diesem Ort alleine.
Schweigend und überwältigt von diesem Eindruck setzten wir uns auf die Treppe und ich legte die am Morgen im Garten geschnittene Rose und den einen zarten Duft verströmenden Salbei dorthin auf den Teppich, wo Florians Körper gelegen hat, bevor man ihn wegholte.

Alles hier ist unverändert an diesem Ort. Der rote, weiche Teppich etwas ausgetretener, an der gelben Wand Spuren von Taschen oder Einkaufsbeuteln. Ich will mir jeden Zentimeter dieses für mich so wichtigen heiligen Ortes einprägen, eingravieren sollen sich die Bilder, damit sich sie jederzeit abrufen kann, wenn ich nicht mehr glauben kann oder will, was hier am 1. Juli 2000 geschehen ist.

Ja, immer wieder erwarten uns kleine Wunder in Irland.. dies war ein besonders schönes!

Song for Ireland

"Look at it from the bright side"...

Unser "Vorgarten"...
Slieve League
...just happy!


Dirlaught, 3.9.2006

Ich sitze auf der kleinen Insel auf dem Teich vorm Cottage. Der Himmel ist bewölkt; ab und zu eine sonnige Phase. Das herbstliche Wetter hält an und die Hoffnung auf Sommer ist begraben.

Wir sind täglich am Strand.. bei jedem Wetter. Es ist ein wundervoller, endloser Strand, breit und mit weissem, feinen Sand. Niemand ist hier außer uns… wo gibt es so viel Stille auf dieser Welt? Alle Sorgen, alle Nöte in mir schrumpfen auf ein neues Maß.. Ich erblicke Unendlichkeit und meine Seele verschmilzt mit der Weite und Florian ist nah!

Wir unternehmen täglich Ausflüge und ich verliebe mich mit jedem Tag mehr in diese wilde Landschaft. Sie erinnert an Connemara – und hat doch mit ihren Hügeln und ihrer Weite eigene Struktur.
Die Farben der Natur erhalten durch das ständig wechselnde Wetter eine eigenartige Intensität. An einem Stein leuchten rostrote oder ockerfarbene Flechten auf. Das Moor ist dort, wo Torf gestochen wird, von Feuchtigkeit tiefbraun, kleine Grasbüschel und überall das Heidekraut in seinen vielfältigen Tönungen. Unscheinbare kleine Blümchen erhalten im Kontrast zu ihrer Umgebung eine besondere Schönheit.

„Turning darkness into light“ – wie oft denke ich hier an diesen Satz..

Und dann die Küste mit ihren Klippen und Buchten, langen Sandstränden, menschenleer. Die grünen Wiesen ziehen sich bis unmittelbar an die felsigen Küsten. Schafe grasen und sehen aus wie herab gefallene weisse, kleine Wölkchen.

Man muss diese Landschaft einfach lieben, aufnahmefähig sein für diese kleinen, fast unscheinbaren Reize. Sie schulen unser Auge.

„Look at it from the bright side“ – sagen die Iren und gewinnen auch einem Regentag etwas ab: Schreiben, ausruhen, lesen – wir lernen gerne von ihnen.

Es kehrt Ruhe in uns ein, ein gutes Gefühl. Berlin ist weit weg und es fühlt sich an, als wären wir seit vielen Wochen unterwegs.

Gestern riss der Himmel auf und Sonnenschein begleitete uns auf einer herrlichen Tour entlang der Küste. „Slieve League“, die höchsten Klippen Europas waren unser Ziel. 600 m ragen sie aus dem Meer – ein spektakulärer Anblick.

Auch hier, wie überall, wenige Touristen. Ich sitze eine Weile und genieße das Schauspiel des wechselnden Lichts, der Brandung, die weit unter mir an die Felsen schlägt, während Hans-Jürgen ein Stück höher klettert. Wieder bin ich überwältigt von der Weite des Atlantik, der hier an die Küsten Irlands schlägt. Ich summe den „Song for Ireland“…

Walking all the day, near tall towers where falcons build their nests
Silver winged they fly, they know the call of freedom in their breasts
Saw Black Head against the sky, between the rocks that run down to the sea
Living on your western shore, saw summer sunsets, asked for more
I stood by your Atlantic sea, and sang a song for Ireland

Was für ein wunderschönes Lied!

Auf schmalen Straßen, kaum breit genug für ein Auto, fahren wir durch bogland – durch Hochmoore – so weit das Auge reicht. Niemand kommt uns entgegen… wir haben manchmal das Gefühl alleine auf dieser Welt zu sein.

Ich setze mich in eine blühende Wiese – und bin einfach glücklich!
Hier in Irland habe ich dieses Wort wieder auszusprechen gelernt: Glück, glücklich sein! Hier habe ich es zum ersten Mal seit Florians Tod gespürt.
Ich kann Glück erleben; ich darf Glück erleben! Welch Geschenk!

Mittwoch, 18. August 2010

Im Land der Feen

Unser Strand... menschenleer - fast immer!
Regenbogen... immer wieder begegneten sie uns.. Die Brücke ...
Florians Platz im Haus und unsere täglichen Geschenke vom Meer...
Landschaft in Donegal und unser cottage
http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=C2UZReQGNVI

Nun sind wir in Donegal, wo Wind und Regenbogen zu Hause sind – Donegal, die wildeste Ecke der Insel. Regen und Sonne haben den Weg begleitet und erst als wir ankamen, entschloss der Himmel sich, uns einige wärmende Strahlen zu schicken, die wir dringend benötigten.

Der unter einem Stein vor der Haustür deponierte Schlüssel zum Cottage war schnell gefunden und als wir die Tür öffneten, schlug uns der Geruch eines Hauses, das monatelang leer stand, entgegen, was in mir einen inneren Zweikampf zwischen dem vorgefundenen Zustand und der Freude über die schlichte Schönheit auslöste.
Die Sonne war unsere größte Unterstützerin, denn nachdem wir Betten und Teppiche auf die Steine draußen gelegt hatten, sie durch Fenster und Türen in das Häuschen einliessen, entstand nach kurzer Zeit eine wohlige Atmosphäre.

Je mehr wir auf Entdeckung gehen, desto besser gefällt uns dieser Ort, an dem wir nun die restlichen Tage in Irland verbringen werden.

Im Garten steht ein Fairytree – ein Feenbaum. So jedenfalls hat es der frühere
Eigentümer gesagt. Iren würden nie wagen, Hand an einen solchen Baum zu legen.. und in den „Dornbüschen“ – also den Rosenstöcken lebt das kleine Volk der Feen.
Ich denke darüber nach, was gesehen sein mag, dass Ulrike, die dieses Cottage mit Fritz bewohnen wollte, sterben musste. Ich denke oft an sie hier an diesem Ort. Unsere Schicksale haben uns zusammengeführt, die Verluste um die geliebten Menschen: Florian und Ulrike

Ich lese die Gedichte von W.B. Yeats, an dessen Grab wir auf dem Weg standen:

Come away, o human child!
To the waters and the wild
With a faery, hand in hand,
For the world’s more full of weeping
than you can understand

Komm heran, Oh Menschenskind!
Zu den Wassern und der Wildnis
Hand in Hand mit einer Fee,
Denn die Welt ist weit mehr voller Tränen,
als Du verstehen kannst.



Die Inschrift auf W.B. Yeats’ Grab lautet:

Cast a cold eye
On life, on death
Horsemann, pass by!

Wirf einen kalten BlickAuf das Leben. Auf den Tod.
Und dann, Reiter, zieh weiter.


Wir erkunden unsere Umgebung und stellen fest, dass es leider keinen direkten Weg vom Haus hinunter in die Bucht gibt. Dafür finden wir die herrlichsten Brombeeren, die uns für nasse Füße und eine frühzeitige Umkehr belohnen.

Unsere Nachbarin Betty, die weit über 80 ist, lebt noch immer alleine in ihrem Cottage – täglich wird nach ihr gesehen. Auf der kleinen Weide stehen ein Esel und ein Kalb. Sie wird sie nicht mehr selbst versorgen können, aber sie gehören zu ihr, zu ihrem Cottage und zu ihrem Leben. Vielleicht wird bald ein Deutscher, ein Inder (wie bei dem Cottage, in dem wir sind und das verkauft wurde) nebenan leben… Nichts bleibt wie es ist!

And I shall have some peace there,
For peace comes dropping slow.
Dropping form the veils of the morning
To where the cricket sings
There midnight’s all a glimmer,
And noon’s purple glow.
And evening full of the linnet’s wings

W.B. Yeats