Samstag, 7. März 2020

Sternenstaub


Die wahren Früchte meines täglichen Lebens
sind so wenig fassbar und ebenso schwer 
zu beschreiben wie die zarten Töne des Morgens
oder des Abends. Sie sind ein bisschen
aufgefangerner Sternenstraub, ein Teil 
des Regenboges, den ich festgehalten habe.

Henry David Thoreau

Freitag, 6. März 2020

Grußkarte


Manchmal bricht mitten am Tag
wie ein Lichtstrahl aus einer Wolke
ein kleines Glück über mich herein.

Dann halt ich still, 
damit sich der Augenblick
in meine Seele schreibt.

Und ich ihn in mir trage:
eine Grußkarte, die unverhofft
vom Himmel fiel.

Tina Willms

Montag, 2. März 2020

Baby Tallk


Susan O'Neill and Mick Flannery
Baby Talk

Erinnerungen



Erinnerungen

eine unsichtbare Kette 
um deine Stirn
Perlen
die dich prägen
die dich schmücken
snnentags
im gebrochenen Licht

Annemarie Schnitt

Sonntag, 23. Februar 2020

Lange saßen sie dort

Lang saßen sie dort und
hatten es schwer,
doch sie hatten es gemeinsam
schwer,
und das war ein Trost.
Leicht war es trotzdem nicht.

Astrid Lindgren



Donnerstag, 20. Februar 2020

Highlights


sonnenaufgang 
ein stück brot 
taubengurren
ein warmer tee 

lerchenlied 
weite felder 
weggefährten 
ein bisschen trost 

und in allem kummer 
einen engel zur seite 
und
tief im herzen glück 

Maria Sassin

Dienstag, 18. Februar 2020

Hörst du den Wind


Hörst du den Wind? – Ganz leise
singt er des Frühlings Weise
und treibt den Winter aus.
In den noch kahlen Zweigen,
die sich bald knospend zeigen,
baut Amsel sich ihr Haus
Geschmolzen sind die Flöckchen,
es läuten weiße Glöckchen
nun sanft den Frühling ein.
Sieh nur die Schmetterlinge -
sie tanzen guter Dinge
im Frühlingssonnenschein

Anita Menger

Mittwoch, 12. Februar 2020

Im Atemhaus



Unsichtbare Brücken spannen
von dir zu Menschen und Dingen
von der Luft zu deinem Atem

Mit Blumen sprechen
wie mit Menschen
die du liebst

Im Atemhaus wohnen
eine Menschenblumenzeit


Rose Ausländer

⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐

Freitag, 7. Februar 2020

Lichtkraft - Im Gedenken an Daniel



Aus dem Himmel
eine Erde machen
Aus der Erde
einen Himmel

Wo jeder
aus seiner Lichtkraft
einen Stern ziehen kann

Rose Ausländer

🌟🌟🌟 


 Wärmende Worte für Euch, liebe Esther, lieber Rainer und lieber Marcel, am heutigen Geburtstag von Daniel. Liebevolle Erinnerung an glänzende Augen; ein Licht, das Euch einhüllt -  
von Dani zu Euch und Euch zu Dani hinüberstrahlt.

Traurig mit Euch!
Gabi + Hans

⭐⭐


Für Dani

Liebster Dani!

"Es gibt Menschen, die wir in der Erde begraben, aber andere, die wir besonders zärtlich lieben, sind in unser Herz gebettet.
Die Erinnerung an sie mischt sich täglich in unser Tun und Trachten.
Wir denken an sie , wie wir atmen, sie haben in unserer Seele eine neue Gestalt angenommen...."

Honore de Balzac

In nicht endender Liebe zu Dir
Dein Mämsche



⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐

Samstag, 1. Februar 2020

An Regentagen

 
 
An Regentagen
huscht zuweilen
ein Engel
durch die Wasserschleier
singt im Tropfentakt
ein  Hoffnungslos,
malt Aquarelle
ab den Himmel,
schiebt schnell noch
ein paar Wolken beiseite
und hinterlässt
eine Spur aus Licht.

Tina Willms

🌟🌟🌟🌟🌟🌟

Donnerstag, 30. Januar 2020

Anne Frank



Ich war etwa 14 Jahre alt, als ich im Kino den Film "Das Tagebuch der Anne Frank" sah.
Es war wohl auch einer meiner ersten Filme und er war wie eine Erleuchtung für mich, in vielerlei Hinsicht.

Zum ersten Mal habe ich "begriffen", welches Leid der Hitler Faschismus und sein Krieg den Menschen angetan haben.. Ich hatte "den Krieg", der ja eigentlich noch sehr präsent war,  als etwas eher Abstraktes wahrgenommen... Niemand sprach wirklich darüber.. seine Dimension wurde überhaupt nicht erwähnt - auch nicht in der Schule! .. 

Und dann dieser Film!  In Anne Franks Geschichte lag die ganze perfide Grausamkeit dieses Systems das Entsetzen und die Abscheu liesen mich nie wieder los.  An diesem Tag, mit 14 Jahren, wurde ich Antifaschistin - aus tiefstem Herzen und tiefster Seele heraus: gegen Faschismus und Krieg!

Die zweite Spur, auf die Anne mich schob, war die Möglichkeit, all das, was in mir, als unglückliche, Pubertierende, schmerzhaft stumm war, in ein TAGEBUCH zu schreiben.

Anne wurde meine Seelenfreundin: Ich kaufte mir ein Tagebuch und  nannte es "Anne" - und ihr vertraute ich an, was ich mit niemandem besprechen konnte... Ich weiß nicht, ob sie mir vielleicht sogar manchmal das Leben gerettet hat, wenn ich keinen Ausweg mehr wußte und in tiefe depressive Stimmungen verfiel.. Dann zog ich mich zurück - und schrieb an Anne!

Immer wollte ich nach Amsterdam und das Anne-Frank-Haus sehen!
Es war gut, dann irgendwann auch dort zu sein.. die Bedrückung der Räume zu erleben.. Nähe zu ihr, meiner Seelenfreundin, zu haben!

Anne Franks Schicksal wurde mein Vermächtnis:   Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!  Und gegen das Vergessen!  Das habe ich bis heute eingehalten!