Donnerstag, 18. Januar 2018

Mittwoch, 17. Januar 2018

Als sich der Tod meiner Kinder bejährte

Grad' in diesen Tagen,
Da ich wollte klagen,
Daß du hingeschieden
Um die Zeit vorm Jahr,
Blickt dein Bild so klar,
So mit stillem Frieden
Auf mich wunderbar,
Daß ich statt Verzagen
Selig ein Behagen
Fühle, das fürwahr
Nicht ist von hienieden,
Sondern aus dem Frieden
Dorther, wo mein Paar
Nun auf immerdar
Wohnung aufgeschlagen,
Allem Weh geschieden,
Bei der sel'gen Schar.


Friedrich Rückert

Dienstag, 16. Januar 2018

When you are gone




R.I.P.

No Need to Argue



R.I.P. Dolores 

Dieser Song der Cranberries ist nicht wegzudenken aus der Musik, die
die ersten Jahre meiner großen Trauer um Florian begleitet hat.
Manchmal habe ich getanzt bis zur Erschöpfung.. 
Nun ist auch diese wundervolle Sängerin gestorben - mit nur 42 Jahren!

Ich bin bestürzt und traurig!

Montag, 15. Januar 2018

Luftige Botschaft



Einen Ballon
lass ich steigen
geb ihm mit
auf die Reise
einen versiegelten Brief
er soll fliegen
so weit
meine Gedanken
ihn tragen
soll den Finder
schön grüßen
ihm sagen
dass einer 
der ihn nicht kennt
an ihn denkt

Peter Schiestl

Samstag, 13. Januar 2018

Gespräch mit einem Überlebenden


Was hast du damals getan
was du nicht hättest tun sollen?
"Nichts"
Was hast du nicht getan
was du hättest tun sollen?
"Das und das
dieses und jenes:
Einiges"
Warum hast du es nicht getan?
"Weil ich Angst hatte"
Warum hattest du Angst?
"Weil ich nicht sterben wollte"
Sind andere gestorben
weil du nicht sterben wolltest?
"Ich glaube
ja"
Hast du noch etwas zu sagen
zu dem was du nicht getan hast?
"Ja: Dich zu fragen
Was hättest du an meiner Stelle getan?"
Das weiß ich nicht
und ich kann über dich nicht richten.
Nur eines weiß ich:
Morgen wird keiner von uns
leben bleiben
wenn wir heute
wieder nichts tun

Erich Fried

Mittwoch, 10. Januar 2018

Dein Haus



Du selbst bist dein Haus
mach es dir darin gemütlich
pflege dein Lieblingsplätzchen
kehre vor deiner Tür
sortiere die Dinge dahin
wo sie hingehören
lass dir keinen Schmutz hereintragen
lüfte sorgfältig
dass alles Abgestandene
hinausweht
schaffe Raum
damit du Platz hast
zum Tanzen
lass nur Menschen ein
die wirklich zu dir wollen

Hermine Geißler

Sonntag, 7. Januar 2018

Graue Tage

 

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden 
abgeschnitten...
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum
und du dir selbst 
ein fremder Traum...

als käme nie
die Sonne wieder,
als klänge nie
ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf...

und plötzlich flimmert's
durch die Wolken 
und plötzlich trifft
ein Klang ans Ohr 
und leise fliegt
auf goldenem Flügel
ein Schmetterling
am Weg empor!

Cäsar Flaischlen
- 1864 - 1920 - 


Von Herzen Dank, liebe Karin!!!

Samstag, 6. Januar 2018

Winter

zeit der blüten
ist noch fern
mir ist so kalt
und alle sorgen
drücken schwer
für ein viertelstündchen
frühling
gäb ich
meine längste feder
her



Anne Steinwart
 Bild: Alice Mumford

Mittwoch, 3. Januar 2018

Irischer Reisesegen

„Möge die Straße uns zusammenführen“

1) Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein.
Sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.

2) Führe die Straße, die du gehst, immer nur zu deinem Ziel bergab.
Hab', wenn es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.

3) Bis wir uns 'mal wiedersehen, hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt.
Er halte dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust dich nie zu fest.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand

Mit alten und neuen Landschaften



Mit alten und neuen
Landschaften
neuen und alten Worten
verlorenen und wiedergefundenen
Freunden
leben
Blicke deuten
Vor dem Abgrund
die Augen nicht schliessen
Sich mit altem zufriedengeben
protestieren
Endlos
von neuem anfangen


- Rose Ausländer -

Montag, 1. Januar 2018

Wo lernen wir?


Wo lernen wir leben
und wo lernen wir lernen
und wo vergessen
um nicht nur Erlerntes zu leben?


Wo lernen wir klug genug sein
die Fragen zu meiden
die unsere Liebe nicht einträchtig machen
und wo
lernen wir ehrlich genug zu sein
und unserer Liebe zuliebe
die Fragen nicht zu meiden?


Wo lernen wir
uns gegen die Wirklichkeit wehren
die uns um unsere Freiheit
betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird?


Erich Fried