Donnerstag, 14. Juli 2011

Wenn Kinder vor den Eltern sterben




http://www.youtube.com/watch?v=gIpDi0Ebqxg
Youtube

Wenn Kinder vor den Eltern sterben
Film von Dora Heinze aus der Serie: Gott und die Welt

Die Trauer um das einzige Kind ist besonders tief und schmerzvoll. Vor allem, wenn man fühlt, dass durch die Kinder das eigene Leben Sinn und Fortführung bekommt. Gertrud (88) hat ihre Tochter und ihre Enkelin durch Krebs verloren. Wäre das nicht so, hätte sie vielleicht nicht in ein Altersheim gehen müssen. Mit den beiden war alles so lebendig. Durch Ausflüge, Gespräche und deren Wärme fühlte sie sich mittendrin. Die andere Tochter aus Amerika ruft jeden Tag an. Dafür macht sie sich schön, achtet auf sich, weil sie glaubt, dass ihre gestorbene Tochter ihr zuschaut.

Vor elf Jahren hat Gabriele (63) ihren einzigen damals 23-jährigen Sohn Florian durch plötzlichen Herztod verloren. Zunächst fühlte sie sich wie in einer Trauerendlosschleife, sagt sie - einsam, verlassen, mut- und kraftlos - wie in einem Eisblock gefangen. Mechanisch erfüllte Gabriele die Formalitäten des Alltags. Im Internet richtete sie eine Gedenkseite für Florian ein. Darin kommuniziert sie mit anderen Eltern, die ihr einziges Kind verloren haben. "Mit dem Tod des Kindes stirbt die eigene Zukunft - die "Unsterblichkeit" von Eltern, deren Leben in dem ihrer Kinder sich eines Tages fortsetzen wird". Gabriele widmet sich - nachdem sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen wollte und mußte - dem Thema Trauer auf vielfältige, kreative Weise.

Nach dem Tod des Sohnes hat sich Michael (60) aus Bautzen wie verrückt in seine Arbeit als Richter gestürzt. Abends fiel er übermüdet ins Bett. Tag für Tag, auch am Wochenende. Seine Frau hat ihre Arbeit vernachlässigt, viel geschlafen und wenn er ins Bett ging, setzte sie sich vor den Computer, um sich mit anderen betroffenen Müttern auszutauschen. Sie haben lange nebeneinander hergelebt. Er sprach nicht mit ihr über den 26-jährigen Sohn Micha, der im Juni 2004 am Herzinfarkt starb. Michael vernachlässigte auch die jüngeren Geschwister, fühlte sich aus der Vaterrolle geworfen. Seine Frau nahm ihn zwei Jahre später zu einem Trauerseminar mit. Da ist etwas in ihm aufgebrochen. Jetzt hat er den Tod seines Sohnes akzeptiert. Die eigene Angst vorm Sterben hat er verloren, denn da, in einer anderen Welt, werden sie sich wieder begegnen. Seitdem hat er einen ganz neuen Freundeskreis gefunden. Mit anderen betroffenen Eltern verreist er und kann auch wieder lachen, ohne ein schlechtes Gewissen zu fühlen.

Kommentare:

jade hat gesagt…

Hab deinen Blog eben ganz zufällig entdeckt und bin sehr erschüttert.......ich muss gestehen, ich konnte nur einige wenige Zeilen lesen, zu groß ist die Angst vor dem Unfassbaren!! Ich hab auch Söhne in dem Alter und dieses Leid ein Kind zu verlieren ist so unendlich grausam und wohl das, wovor alle Eltern die größte Angst haben. Ich wünsch dir und der ganzen Familie ganz, ganz viel Kraft und schicke viele liebe Gedanken und eine stille Umarmung,

herzlichst Jade

Gabriele hat gesagt…

Danke, liebe Jade. Es sind eben dies die kleinen Sterne, die in unser Trauerleben fallen: Menschen, die einen Moment innehalten.
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und ein langes Leben mit Deinen Kindern!
Sei gegrüßt + behütet
Gabriele

Mona hat gesagt…

Ich habe diese Sendung im 1. eben gesehen,da uch ich leider betroffen bin, mein jüngster Sohn (er heißt wie dein Sohn auch Florian,Gabriele) kam im Alter von 19 Jahren ,am 26.09.2008 bei einem äußerst tragischen Verkehrsunfall ums Leben,gemeinsam mit seinem besten Freund.
es war tröstend für mich von anderen Betroffenen in diesem Fernsehbericht zu erfahren.

Ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin alle Kraft

Herzlichst Monika

sylvi hat gesagt…

Liebe Gabriele, habe heute die Sendung gesehen und bin erschüttert.Ich wünsche Euch weiterhin ganz viel Kraft.
"Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Sei herzlich umarmt,
Gruß Sylvi

Anneliese hat gesagt…

Liebe Gabriele,
ich habe die Sendung auch gesehen.
Bei mir ist es noch ziemlich frisch,manchmal ist der Schmerz fast nicht zu ertragen, ich finde ihn zeitenweise schlimmer als in der ersten Zeit und in manchen Situationen erkenne ich mich selbst fast nicht mehr.
Man bekommt so oft zu hören, Zeit heilt Wunden, vorstellen kann ich mir das nicht.
ICh wünsche Dir weiterhin viel Kraft und alles Gute,
Anneliese

Anonym hat gesagt…

Auch ich habe den Beitrag gestern gesehen und habe bis in die Nacht hinein geweint!!!
Es ist so unfassbar und macht Angst.
Meinem dreijährigen Sohn habe ich beim ins Bett bringen gesagt, wie unfassbar glücklich ich bin, dass er da ist und er antwortete: "Mama, und als ich noch nicht da war, warst du da traurig?"
Ich bin in Gedanken bei Euch und wünsche Dir viel Kraft!!!

Marion hat gesagt…

Liebe Gabriele,
ich habe die Sendung gestern gesehen, und auch ich bin betroffen. Mein Sohn Michael ist am 14.02.1999 verstorben, es war kurz vor seinem 8 Geburtstag, er wurde zwar mit einem halbe Jahr krank, jedoch hätte er eine normale Lebenserwartung. Deshalb war es ein extremer Schock als er am Sonntag des 14.Februars Tod in seinem Bett lag. Ich sehe das Bild heute noch vor mir. Deine Gefühle im Beitrag kann ich sehr gut nachempfinden, das Leben ist einfach anders und mit Worten nict zu beschreiben. Bei mir hat es fast 10 Jahre gedauert bis ich den Schmerz den ich seid damals fühlte, überhaupt zu gelassen habe. Als das passierte habe ich geweint wien noch nie in meinem Leben zuvor. Aber ich habe durch Michi´s Tod so viel lernen dürfen und ich fühle viel intensiver. aber jetzt zu dem was ich Dir sagen wollte. Super toll finde ich Deine Seite über Florian, große Bewunderung an Dich und Deine Liebe die Du hier reingibst.
Liebe Gabriele, ich wünsche Dir für Deinen weiteren Weg alles Liebe, sei herzig umarmt und Gottes Segen für Dich und Deinen Mann
herzlichst Marion

Gabriele hat gesagt…

Euch/ Ihnen allen auf diesem Wege noch einmal von Herzen Dank. Dank für das Vertrauen, die Offenheit.
Ich wünsche Euch / Ihnen von ganzem Herzen Stille und Lebendigkeit, Ziele zum Aufbrechen und Orte, an denen Sie anlanden können, und immer wieder gute Menschen, die gern mit Ihnen unterwegs sind, deren Gesellschaft Ihnen gut tut.
Seien Sie behütet Ihre Gabriele

renate hat gesagt…

Dear Gabriele,
I read your story along with other Parents that are grieving over the loss of their beloved Children,it has touched my heart & soul. On the other hand i found it wonderful that all of you could express how each of you coped with the loss in your own way. Florian was a awesome young man,i wish you&your Husband the very best,and i will follow your blog.
I was born in Stuttgart,but have lived in the States since 1965.
Sincerely Renate

Anonym hat gesagt…

Ich habe eben den Film "Wenn Kinder vor den Eltern sterben" gesehen. Deine Gefühle sind für mich als Nichtbetroffene gut nachvollziehbar. Ich habe mit 27Jahren eine gleichaltrige Freundin durch einen Verkehrsunfall verloren. Auch für mich waren die Worte "Katja ist tot" nicht real. Und bis heute gelingt es mir nicht, die Katastrophe zu verarbeiten, und es war "nur" eine Freundin. Wenn ich mir vorstelle, einen meiner Kinder könnte etwas zustoßen, wie unendlich muß der Schmerz sein. Bei dem bloßen Gedanken daran muß ich weinen. Und ich mußte auch weinen, während des Filmes und während ich schreibe. Es ist einfach das Schlimmste, was einem im Leben passieren kann. Ich bewundere eure, insbeondere deine Kraft, mit der du es geschafft hast im Leben zu bleiben um noch viele, möglichst glückliche Jahre mit deinem Mann und dem Gedenken an Florian zu haben.
Ich wünsche dir und deiner Familie alles erdenklich Liebe.
Herzlichst Marlene

Petra hat gesagt…

Habe heute die Wiederholung des Films im MDR gesehn.Ich habe das gleiche Schicksal seit 3 1/2 Jahren und mir geht es genau so wie dir Gabriele.Mein Sohn heißt Adrien und wurde durch den Übermut seines besten Freundes am 27.5.08 am Tag seiner Lehrlings Theori-Prüfung, aus dem Leben gerissen.Auch so ein hübscher Junge wie deiner.Seit dem lebe ich in 2 Welten in der,in der man einfach funktioniert für die die es von einem erwarten und in der Welt in der ich so sehr von der Sehnsucht nach meinem Jungen aufgefressen werden und den Schmerz nicht mehr ertragen kann,weil es einfach so schlimm ist und nicht zu ertragen. Und nun ist bald wieder Weihnachten,früher war das immer schön aber heut nicht zu ertragen. Nur wer ein Kind hergeben mußte weiß wovon wir reden.Hineinversetzten und zu denken das man es kann,wer es nicht ertragen muß der kann es nicht.Schön das ihr den Film gemacht habt.Es tröstet etwas das dieses Thema auch mal aufgegriffen wird. Lieben Gruß Petra

Anonym hat gesagt…

Ich habe Sie in der Sendung am 3.11.gesehen und fühlte mich sofort mit Ihnen eng verbunden, ohne Sie persönlich zu kennen.
Ich habe meinen Sohn Tobias am 22.10.2009 leblos vor seinem Bett liegend aufgefunden. Er war in seinem 29. Lebenjahr ebenfalls ohne Vorwarnung an einem Herzinfarkt verstorben.
Als ich heute völlig erfroren an seinem Grab stand, kam eine fremde Frau auf mich zu. Sie legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte, dass sie sich sehr verbunden mit mir fühlt, weil ihre Tochter von 10 Jahren verstorben ist. Weiter sagte sie, dass es nur Mütter mit dem gleichen Schiksal wissen können, wie schlecht es uns wirklich geht. Weil ich so überrascht war, konnte ich kaum antworten.
Aber ich muss ständig an diese Frau denken. So wie ich auch an Sie denke, seit dem ich diese Sendung gesehen habe.
Mir geht es heute beonders schlecht!
Mein Lebensgefährte ist im Karnevalsverein und feiert heute den 11.11. Ich bin allein zu Hause und fühle mich, als gehöre ich nicht mehr zu ihm.
Sie können sich betimmt vorstellen, wie lebenunfähig man sie da fühlt...
Ich wünsche Ihnen alles Gute Kerstin

Anonym hat gesagt…

Hallo,

oft heißt es, dass die Zeit alle Wunden heilt. Aber das stimmt nicht. Man lernt nur mit den Narben zu leben. Die wunde heilt aber nie. Selbst nach 10 Jahren nicht. So lange ist es her, dass ich meine Tochter im Alter von 2 Jahren beerdigen musste wegen einem Herzfehler. Sie hat für sich entschieden zu gehen - diese sichtweise ist die einizge, die manchmal hilft. Eine Wunde bleibt es immer, selbst jetzt, wo ich wieder Vater bin und die Angst um das jetzige Kind immer im Leben ist.
Manchmal lernt man nicht mal mit der Narbe zu leben.

Anonym hat gesagt…

Hallo! Ich bin neu in diesem blog und habe mir gerade das Buch bestellt: Die Liebe stirbt nicht! Noch
immer suche ich nach Trost. Vor fast 9 Jahren verlor ich meinen juengsten Sohn mit 35 Jahren an einem
Herzinfarkt. Ich fuehle wie in einer seelischen Gefangenschaft. Vor eineinhalb Jahren verlor ich meinen
lieben Mann. Er hatte mich immer wieder unermuedlich aufgerichtet, obwohl er ebenfalls Trost brauchte.
Durch das Ableben meines Mannes ist die Wunde wieder offen und auch er kann mich nicht mehr troesten.
Ich habe das Gefuehl, es gibt ueberhaupt keinen Trost. Man weiss erst wie es ist ein Kind zu verlieren,
wenn man es selbst erlebt. Und das fuehlt wie seelische Brutalitaet. Ich kann allen Eltern, die ihre
Kinder verloren haben, egal in welchem Alter, nachfuehlen wie hart es ist, damit weiter zu leben.
Anonym aus British Columbia